Blockchain in der Energiewirtschaft – Die ausgebremste Schlüsseltechnologie

Die Blockchain wird oft als zentrale Schlüsseltechnologie der Energiewirtschaft von Morgen bezeichnet.

Blockchain in der Energiewirtschaft – Die ausgebremste Schlüsseltechnologie
Bildquelle: iStock

Tatsächlich ist in Deutschland mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende und dem daraus resultierendem Smart Meter Rollout, die flächendeckende Einführung der Blockchain-Technologie in weite Ferne gerückt. Warum ist das so?

Der intelligente Energiemarkt – Die Blockchain

Wäre es nicht toll, wenn die Integration der Erneuerbaren Energien weiterhin beschleunigt werden könnte und sich das Netz, nur aufgrund von Algorithmen, einfach selbst reguliert? Kunden könnten automatisch Strom kaufen und verkaufen. Dies verspricht die Blockchain-Technologie.

Dezentrale Datenhoheit über die Energieinformationen

Bisher sind Energiehandelsunternehmen die großen, zentralen Akteure des Energiemarktes. Sie haben die Datenhoheit und prägen damit maßgeblich den Energiemarkt. Durch die Blockchain-Technologie könnten die relevanten Energieinformationen dezentral bei den Anwendern liegen, die dann selbstständig und automatisch ihren Strom automatisch kaufen oder verkaufen könnten. Die Energieinformationen würden in Form von Datensätzen (Blöcke genannt) gebündelt. Über kryptographische Verfahren werden diese dann miteinander verkettet (Kette, englisch chain). Rechenalgorithmen sorgen für eine Verifizierung und Zusammenführung der Daten aus vergangenen Transaktionen, die eine regelbasierte Prüfsumme ergeben.

EHA Blockchain Visual
Blockchain, Bildquelle: EHA

Voraussetzung für die Blockchain: Energiedaten in Echtzeit

Damit jedoch die Blockchain für einen sich selbst regulierenden Energiemarkt sorgen könnte, müssten alle Informationen über Angebot und Nachfrage jederzeit allen Akteuren in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden können. Leider ist aktuell genau dieser Punkt in Deutschland, aufgrund des Smart Meter Rollout, vorerst in weite Ferne gerückt. Die verpflichtend einzubauenden Smart Meter Gateways und intelligenten Messsysteme können anstelle von Echtzeitlastgängen nur viertelstundengranulare Verbrauchswerte für den Vortag liefern.

Ohne Zusatzgeräte wäre es aktuell also überhaupt nicht möglich, moderne und intelligente Messeinrichtungen zur automatischen Regelung der intelligenten Energienetze zu nutzen. Es fehlt an Standards für Technik und Verfahren, was zu einer allgemeinen Unsicherheit führt.

Hoher Eigen-Energieverbrauch der Blockchain

Doch selbst wenn ab Morgen echte Smart Meter in jedem Haushalt eingesetzt werden - Könnte die Blockchain wirklich zu einem dezentralen Energiemarkt beitragen oder würde sie ihn vielmehr verteuern?

Als größter Kritikpunkt der Blockchain Technologie wird immer wieder der durch die Technologie selbst verursachte Energieverbrauch der Bitcoin Blockchain angeführt. Dieser entspricht mit 67 Terawattstunden circa dem Stromverbrauch der Schweiz. Oft wird die Blockchain Technologie deshalb als nicht tragbar abgestempelt.

Allerdings greift diese Kritik zu kurz und betrifft nur die Grundidee der Blockchain in Reinform. Hier wird, durch den „Proof-of-Work“ Algorithmus, mit einer Vielzahl von zufällig ausgewählten Akteuren, die Validität durch komplexe Rechenprozesse sichergestellt.

Wenn der Zugang zur Blockhain, mit Hilfe vertrauenswürdiger Mitglieder, kontrolliert werden kann, könnte die Validität mit Hilfe des „Proof-of-Stake“ Algorithmus verifiziert werden, der Prozess könnte so um einiges energieeffizienter gestaltet werden.

Hierfür müssten sich der Markt jedoch auf eine zentrale Technologie zur Erfassung der Energiedaten verständigen und diese konsequent umsetzen. Derzeit kann, abgesehen von einigen Projektlösungen, noch kein Standard am Markt identifiziert werden.

Einsatz von Blockchain in der Energiewirtschaft schon heute sinnvoll

Um dies zu erreichen müssen „Politik und Wirtschaft dem Thema eindeutig mehr Aufmerksamkeit schenken“ so Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Deutschen Energie-Agentur (dena) Geschäftsführung. In einer umfassenden Studie konnte die dena bestätigen, dass die Blockchain-Technologie schon heute in vielen Bereichen der Energiewirtschaft einen Mehrwert für Unternehmen und Verbraucher bieten kann. So ist die Blockchain insbesondere dann nützlich, wenn sie existierende Protokolle zum digitalen Informationsaustausch ergänzt. Die Studie verdeutlicht aber auch, dass für jede Anwendung eine Einzelfallanalyse erforderlich ist.

Grundsätzlich müssen die politischen Rahmenbedingungen für die Schüsseltechnologie der Energiewende verbessert und die Investitionsbereitschaft erhöht werden.

Mehr Transparenz und bedarfsorientierte Abrechnung

Mit der Einführung der Blockchain könnte die Energiewirtschaft weiterhin an Transparenz gewinnen. Sie ermöglicht schlanke und intelligente Prozesse, ohne hohen Personalaufwand. Statt pauschalen Kosten, könnte konsequent eine bedarfsorientierte Abrechnung erfolgen.

Zusammengefasst ist die Blockchain Technologie ein weiterer, wichtiger Schritt um die Energiewende auch künftig effizient zu gestalten. Wichtig ist, dass hierbei konsequent der Kundennutzen im Vordergrund steht, was nur durch wirklich intelligente Messeinrichtungen gewährleistet werden kann. Ohne diese bleibt die Blockchain eine interessante Technik auf der Suche nach einem Anwendungsfall.

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