Einschätzungen zu Energiewende, E-Mobility und Preisentwicklungen

Zum Jahresende - Rückblick auf 2017

Das ausklingende Jahr 2017 nehmen wir zum Anlass für eine Betrachtung aktueller Energiethemen. Diese waren auch Knackpunkte der gerade gescheiterten Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition im Deutschen Bundestag, wie EHA-Geschäftsführer Jan-Oliver Heidrich erläutert. Der EHA-Geschäftsführer Dirk Mithöfer gibt Auskunft zur Energiemarktentwicklung und Preisanstiegen.

Energiemarkt - Rückblick 2017

Energiewende: Kohleausstieg nicht überstürzen

Um die Ziele des Pariser Klimaschutzvertrages zu erreichen, d. h. die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen, gilt ein weltweiter Kohleausstieg bis etwa 2030 als unabdingbar. Was Deutschlands Kohlekraftwerke angeht, lagen die Parteien in den Jamaika-Gesprächen weit auseinander. Die Grünen wollten die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 10 GW „sofort“ abschalten und bis 2030 ganz aus der Kohle aussteigen – eine Position, auf die sich die anderen Verhandlungspartner nicht festlegen ließen. Welche Konsequenzen hätte die unverzügliche Streichung von 10 GW Kohleleistung? Aus Klimaschutzgründen und angesichts von Überkapazitäten ist die Abschaltung von Kohlekraftwerken grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings ist mit Braunkohle erzeugter Strom vergleichsweise günstig und die Streichung von 10 GW Erzeugung hätte einen starken Anstieg der Preise zur Folge, die europaweit jetzt schon die höchsten sind. Um eine solche Teuerung abzufedern, sollte die Abschaltung der Kraftwerke über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Ein Stufenmodell hätte nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern würde auch die Versorgungssicherheit stärken.

Jan-Oliver Heidrich
Jan-Oliver Heidrich ist als EHA-Geschäftsführer zuständig für Energiebeschaffung und -handel sowie für energiepolitische Themen durch seine Tätigkeit als Vorsitzender des Energieausschusses beim Handelsverband Deutschland (HDE).

E-Mobility: Vorsicht vor falschen Erwartungen

Der Diesel-Skandal wirkte ebenso auf die Sondierungsgespräche zur Jamaika-Koalition. Fahrverbote in besonders belasteten Städten wollten alle Parteien vermeiden, aber was die Zukunft des Autos betrifft, gingen die Vorstellungen auseinander. Die Grünen wünschten ein Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030, darauf wollten sich die anderen Verhandlungspartner aber keinesfalls einlassen. Keine Frage, Diesel- und Benzinmotoren verursachen einen hohen Ausstoß von Klimagasen und Luftschadstoffen. Der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor soll gelingen mit dem Einstieg in die E-Mobility. Ist die Förderung von Elektroautos nun ein Allheilmittel für den Klimaschutz und sollten wir auch LKW und Personennahverkehr nur schleunigst elektrifizieren? So einfach ist es nicht. Die E-Fahrzeuge verursachen keinesfalls null Emissionen, wie oftmals der Eindruck erweckt wird. Für ihren Betrieb wird Strom genutzt, der aus unterschiedlichsten Quellen stammt (Strommix) und bei dessen Erzeugung natürlich CO2-Emissionen entstehen.

Um dem aus Klimaschutzgründen notwendigen Einsatz von erneuerbarem Strom auch für die Mobilität einen Schub zu geben, fordert der Handelsverband Deutschland (HDE) gemeinsam mit anderen Verbänden eine Reform der Energiewendefinanzierung. Eine zentrale Prämisse ist die Energieträger- und sektorenübergreifende Umschichtung der EEG-Kosten unter Einbezug der Sektoren Wärme und Verkehr, wobei die Energieträger entsprechend ihrer Treibhausgasemissionen (CO2) belastet werden.

Energiemarktentwicklung: Hohe Preise – was tun?

Die Preise für Strom an der Leipziger Börse EEX sind seit langem kontinuierlich gestiegen. Für das Lieferjahr 2018 ist der Strompreis an der EEX aktuell auf dem höchsten Stand seit 3,5 Jahren. Allein seit August 2017 betrug die Steigerung circa 5 Euro / MWh, was einer Zunahme von etwa 17 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Jahresanfang 2016 haben die Strompreise für 2018 sogar um mehr als 70 Prozent zugelegt.

Beim Gas zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. So erreichte der Börsen-Preis für die Lieferung 2018 im Marktgebiet NCG im November mit 18,90 Euro / MWh ein 2-Jahres-Hoch, was einer Steigerung von 16 Prozent verglichen mit den Preisen der Sommermonate (16,20 Euro / MWh) entspricht.

Gerade für Unternehmen, die ihre Energie zum Festpreis beziehen (einmalige Stichtagsbeschaffung) und bei denen die Verträge aktuell auslaufen, bedeutet diese Marktsituation eine denkbar ungünstige Ausgangslage. Denn ein zukünftiges Profitieren von eventuell fallenden Preisen ist ausgeschlossen. Als Alternative zur Festpreisbeschaffung setzt EHA auf eine strukturierte, verteilte Beschaffung. Während beim Festpreismodell die gesamte Energiemenge zu einem fest vereinbarten Preis eines Stichtags bezogen wird, beschaffen wir die benötigte Energie in Teilmengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Diese Vorgehensweise dient der Risikostreuung und vermeidet schlechte Einkaufszeitpunkte.

Dirk Mithöfer
Dirk Mithöfer legt als EHA-Geschäftsführer seinen Fokus auf die Bereiche Vertrieb und Energieberatung.

Teure Energie auch 2018

Die Energie wird auch 2018 teuer bleiben, viele Markteilnehmer erwarten sogar einen weiteren Anstieg. Grund für diese Annahme sind u. a. die steigenden Netznutzungsentgelte, also die Gebühren der Netzbetreiber für die Durchleitung des Stroms. Diese Netznutzungsentgelte variieren regional, sind aber schon jetzt der größte Einzelposten bei der Zusammensetzung der Strompreise. Als Kostentreiber erweist sich dabei der ständige Modernisierungsbedarf im Zuge der steigenden Anforderungen an die Stromnetze. Neben der Notwendigkeit stabilisierender Maßnahmen für bestehende Netze gibt es Bedarf an zusätzlichen Leitungen, um den Süden der Republik mit Ökostrom aus dem Norden zu versorgen.

Bald könnte aber auch dadurch Bewegung in den Energiemarkt kommen, dass sich eine neue Bundesregierung auf geänderte Rahmenbedingungen für den Energiemarkt verständigt,  wozu zum Beispiel die Reform des EE-Gesetzes, eine Verknappung von Emissionszertifikaten oder die Abschaffung der Stromsteuer gehören könnten.

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