Energiepreisbremse läuft aus – was bedeutet das für Unternehmen

Interview mit Jan-Oliver Heidrich

Energiepreisbremse läuft aus – was bedeutet das für Unternehmen – ein Interview mit Jan-Oliver Heidrich, EHA-Geschäftsführer und Vorsitzender des Energieausschusses beim Handelsverband Deutschland (HDE)
Jan-Oliver Heidrich, EHA-Geschäftsführer und Vorsitzender des Energieausschusses beim Handelsverband Deutschland (HDE)

Die Nachricht schlägt Wellen. Mit dem Klimafond hat das Bundes­verfassungs­gericht auch den Wirtschafts­stabilisierungs­fonds gekippt. Darunter fällt die Energie­preisbremse.

Zum Beginn von 2024 ist es damit vorbei, so die Ankündigung von Bundeskanzler Olaf Scholz. Jan-Oliver Heidrich, EHA Geschäftsführer und Vorsitzender des Energie­ausschuss beim Handelsverband Deutschland (HDE) gibt seine Einschätzung der Lage.

Ist das Aus für die Energiepreisbremse eine große Gefahr für Unternehmen?

Nein, das glaube ich nicht. Der Abwehrschirm wäre ohnehin bereits Ende April 2024 ausgelaufen. Für den Fall, dass die Energiepreise erneut unerwartet dramatisch steigen, hat die Bundesregierung versprochen, kurzfristig zu handeln.

Wie fällt Ihre Bilanz zur Energiepreisbremse aus?

Für die Verbraucher konnten durch das Instrument der Energiepreisbremse manche Härten gemildert werden. Allerdings gab es leider auch sehr viele Mitnahmeeffekte, wie es bei einer Förderung „per Gießkanne“ nicht anders zu erwarten war.

Aus Sicht der Energiewirtschaft fällt das Urteil negativ aus. Die Änderung des Stabilisierungsfondsgesetzes war unausgegoren und hatte handwerkliche Fehler. Vieles blieb im Unklaren, ähnlich wie beim Heizungsgesetz. Der administrative Aufwand für die Preisdeckel wurde den Energieversorgern aufgebürdet, die kurzfristig Softwarelösungen für die Abwicklung der Rückzahlungen bereitstellen mussten. Der Staat soll selber Systeme schaffen, um seine Bürger in Krisen zu entlasten.

Welche Bedeutung hatte die Energiepreisbremse für die Kunden von EHA?

Glücklicherweise so gut wie keine. Unsere Strom- und Gaskunden waren davon nur in sehr geringem Maße betroffen. Daran wird sich bis zum Auslaufen der Maßnahmen auch nichts mehr ändern.

Die Heizperiode hat begonnen und anders als vor einem Jahr ist von Angst vor Gasknappheit wenig zu spüren. Eine trügerische Sicherheit?

Sicherheit gibt es nicht, aber Anlass zum Optimismus. Die Gasspeicher sind voll, wir haben die Flüssiggasterminals und die Wetterprognosen sagen einen eher warmen Winter voraus. Darüber hinaus haben wir über Einsparmaßnahmen erfolgreich Minderverbräuche realisiert und werden das wieder schaffen. Der Gasmarkt präsentiert sich daher entspannt. Das kann sich aber schlagartig ändern, wenn beispielsweise unerwartete große Kälte käme, Russland die Gaslieferung an Österreich und andere südosteuropäische Länder einstellte oder die Gaspipeline aus Norwegen ausfiele. Solche Entwicklungen würden direkt auf die Preise durchschlagen.

Ab März 2024 steigt die Umsatzsteuer auf Gas. Was sind die Auswirkungen?

Die Steuer auf den Gaspreis war ab Oktober 2022 befristet gesenkt worden. Im März nächsten Jahres beträgt der Steuersatz wieder 19 statt bisher 7 Prozent. Die Erhöhung hat aber vergleichsweise geringe Auswirkungen, weil wir dann am Ende der Heizperiode stehen.

Und wie entwickeln sich die Strompreise?

Auch hier erleben wir derzeit einen gesunden Markt ohne ausgeprägte Preissprünge. Schaut man auf den Terminmarkt, wo der Strom für die nächsten Jahre gehandelt wird, zeigt sich, dass die Preise von 2025 zu 2026 weniger stark sinken als von 2024 zu 2025. Die Strompreise werden daher vorerst auf vergleichsweise hohem Niveau stagnieren.

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