Gas in Deutschland: Wissenswertes, aktuelle Lage, Preise & Versorgungssicherheit

Gas in Deutschland
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Erdgas hat in Deutschland lange einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung geleistet und wird dies auch in den nächsten Jahrzehnten tun.

Aktuell deckt Erdgas rund 26,7 Prozent des deutschen Primärenergieverbrauchs und wird vor allem für die Wärmeversorgung verwendet.

Erst bis 2035 soll die komplette Energieversorgung über erneuerbare Energien laufen. Durch den russischen Angriff auf die Ukraine könnte die Nutzung erneuerbarer Energien im Sektor Gas schneller voranschreiten als geplant, um sich unabhängiger vom russischen Gas zu machen und die Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.

Alles rund um das Thema Gas in Deutschland, die aktuelle Lage und weitere Fakten zu Preisen und Versorgung, haben wir hier für sie zusammengefasst.

Was ist Erdgas?

Erdgas ist ein natürliches Gas. Als brennbares Gas wird es aus dem Erdinneren durch Bohrlöcher gefördert und besteht zu über 90 Prozent aus Methan. Dieses Naturgas ist der einfachste Kohlewasserstoff in der Natur und farb- sowie geruchlos. Es entsteht bei Gärungsprozessen unter Luftabschluss an der Erdoberfläche.

Erdgas gibt es seit mehreren Millionen Jahren und hat sich aus abgestorbenen Kleinorganismen entwickelt. Daraufhin folgte ein chemischer Prozess der langsam und unter Luftabschluss, hohem Druck und Temperaturen Erdgas gebildet hat.

Ist das Erdgas aufbereitet, wird es ins Transportnetz eingespeist. Damit es letztlich auch im jeweiligen Bestimmungsland ankommt, sorgen Kompressorstationen dafür, es mit genügend Druck auch tausende von Kilometern zu befördern.

Woher kommt das Gas in Deutschland?

Im Jahr 2021 kamen die Gasimporte aus folgenden Ländern:

Gasimport nach Ländern

Wie sich der Herkunftsmix in einzelnen Regionen niederschlägt, kann variieren. Denn dieser liegt sowohl an der Strategie der Region wie die Marktbeschaffung abläuft und die Situation an den jeweiligen Grenzübergangspunkten beschafft ist.

Was ist Biogas?

Biogas, als erneuerbare Energie, ist die Alternative zum Erdgas und entsteht durch die Vergärung von organischen Abfallstoffen.

Alles Wissenswerte zum Biogas haben wir für Sie in einem weiteren Beitrag zusammengefasst.

Schon gewusst?
Das REWE Logistikzentrum in Eitting nutzt bereits seit 2015 Biogas. Ein innovatives Konzept, entwickelt von EHA mit dem Projektpartner Grüne Werte Energie.

Biogas vs. Erdgas: Kann Biogas das Erdgas ersetzen?

Der Unterschied zwischen Erdgas und Biogas liegt in der Entstehung und damit auch in der Klimafreundlichkeit. Allein aus klimaschonenden Aspekten sollte das Biogas langfristig das Erdgas ersetzen.

Schauen wir jedoch auf die aktuellen Ereignisse, liegt natürlich auf der Hand, dass sowohl Deutschland als auch andere europäische Länder sich möglichst zeitnah unabhängig vom russischen Erdgas machen wollen. Und da kann laut Experten Biogas der Ausweg sein. Zumindest zum Teil kann das produzierte Gas aus Gülle, Mist, Mais und anderen Pflanzen das importierte Gas ersetzen. Laut dem Biogas Fachverband in Freising kann die Biogas-Produktion in fünf bis zehn Jahren verdoppelt werden, wenn die notwendigen Schritte aus der Politik eingeleitet werden, und somit die Hälfte des russischen Gasimports ersetzen. Kurzfristig lässt sich 20 Prozent mehr Biogas aufbringen, wenn die Deckelung der Anlagen wegfällt.

Ein 10-Punkte-Plan hin zu mehr Unabhängigkeit vom russischen Gas stellt die IEA zur Verfügung.

Gasversorgung Deutschland: Gibt es eine Versorgungssicherheit?

Derzeit ist die Versorgung durch Erdgas in Deutschland sichergestellt. Durch die aktuelle geopolitische Lage sind Versorgungsengpässe nicht vollständig auszuschließen. Am 23. Juni 2022 wurde daher die zweite Warnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Insgesamt gibt es drei Stufen: die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe. In Stufe 2 erfolgt eine enge Marktbeobachtung, ein Appell an das Gassparen und die Reaktivierung von Kohlekraftwerken. Sollte Stufe 3 ausgerufen werden, wird der Staat in die Gasversorgung eingreifen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) beantwortet hier die häufigsten Fragen zum Thema Russland-Sanktionen.

Warum ist die Versorgung derzeit gesichert?

Zum einen fallen die derzeit fehlenden Mengen kaum ins Gewicht und lassen sich sonst durch andere Pipelines umleiten bzw. es besteht die Möglichkeit diese Mengen durch Lieferungen aus Norwegen und den Niederlanden zu kompensieren.

Zum anderen ist die Gaserzeugung bereits stärkeren Schwankungen ausgesetzt. Das liegt vor allem an dem Ausbau erneuerbarer Energien sowie dem geplanten Kohle- und Atomausstieg. Die Bundesnetzagentur betont, dass die Gasversorgung in Deutschland weiterhin stabil ist. Auch die Versorgungssicherheit ist weiter gewährleistet. (Stand: 04. Juli 2022)

Für mehr Fragen rund um das Thema Versorgungssicherheit, geht es hier zu unserem Whitepaper.

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Nord Stream 1: Abschalten oder nicht?

Die Nord Stream 1 ist Deutschlands wichtigste Pipeline. Der 1.224 Kilometer lange Pipelinestrang weist nicht nur die höchste Kapazität auf, sondern ist auch der kürzeste Weg zwischen den riesigen Erdgasreserven in Russland und dem Energiemarkt in Deutschland – und das ganz ohne die Durchquerung von Transitländern.

Schon gewusst?
Mit der Nord Stream 1 können jährlich Gasmengen über 55 Milliarden Kubikmetern geliefert werden.

Im vergangenen Monat hatte Russland die Durchflussmenge der Gesamtkapazität auf 40 Prozent reduziert. Das hat vor allem die deutschen Gasspeicher stark belastet. Derzeit ist nur ein Anstieg von 0,09 Prozent am Tag zu verzeichnen.

Am 11. Juli 2022 begannen geplante Wartungsarbeiten an der Pipeline. Diese sollen rund 10 Tage andauern. In der Regel ein gewöhnliches Vorgehen. Auch eine zwischenzeitliche Abschaltung sei kein Grund zur Sorge. Nur warum es gerade jetzt zu Wartungsarbeiten kommt, ist nicht bekannt. Dass eine politische Motivation dem zu Grunde liegt, ist nicht vollkommen ausgeschlossen. Daher ist es weiterhin fraglich, ob die Nord Stream 1 nach den Wartungsarbeiten wieder in Betrieb geht.

Nord Stream 1: Geht die Pipeline wieder in Betrieb?

Aktuell eine Frage, die weder mit einem „Ja“, noch einem „Nein“ beantwortet werden kann. Es gibt unterschiedliche Signale aus Moskau. Auch nach den Wartungsarbeiten stellt der russische Konzern Gazprom den Weiterbetrieb infrage.

Aufgrund technischer Schwierigkeiten mit einer Turbine ist die Gaszufuhr derzeit gedrosselt. Die Bundesnetzagentur gibt jedoch an, dass die Drosselung wegen der Technik nicht begründet werden kann. Eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt: Wird zukünftig überhaupt noch Erdgas über die Nord Stream 1 fließen oder folgt auf die Wartungsarbeiten der Lieferstopp?

Die Lieferung dieser notwendigen Turbine aus Kanada nach Russland hat sich durch das Embargo schwierig gestaltet. Mit einem Umweg über Deutschland soll die Turbine aber demnächst zugestellt werden und das Gas theoretisch dadurch wieder fließen können. Sollte dies nicht der Fall sein, ist Deutschland mit dem Notfallplan vorbereitet und wird Stufe 3 des Plans ausrufen.

Was passiert, wenn die Versorgung nicht mehr gesichert ist?

Eine Gasmangellage führt unter Umständen dazu, dass Gaskunden nicht mehr oder nur teilweise beliefert werden können. In diesem Fall gibt es sogenannte geschützte Kunden, die nach den bisherigen gesetzlichen Vorschriften bevorzugt zu beliefern sind. Hierzu zählen derzeit unter anderem Haushaltskunden oder Kunden mit SLP-Messung.

EHA kann nach gegenwärtigem Stand (30. Juni 2022) alle Lieferverpflichtungen erfüllen.

Sollte die dritte Stufe des Notfallplans verkündet werden, bedeutet dies eine Gasmangellage mit erheblicher Gefährdung oder Störung der Energieversorgung, die die Marktteilnehmer aus eigener Kraft nicht mehr beseitigen können. Auch wir erhalten in diesem Fall von Vorlieferanten möglicherweise kein Gas mehr, wodurch auch eine Ersatzbeschaffung nicht mehr möglich wäre.

Sobald und solange der Gasmarkt durch die Bundesnetzagentur gelenkt wird, haben wir – wie auch alle anderen Energieversorger – keine Möglichkeit mehr, Abnehmern eigenständig Gaslieferungen zuzuteilen.

Weitere Hintergrundinformationen zur Versorgungslage mit Erdgas liefert hier auch die Bundesnetzagentur.

Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland

Aktuell hat Robert Habeck die 2. Krisenstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Dem zu Grunde liegen die derzeit hohen Gaspreise sowie die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland seit Mitte Juni. Russland hat die Lieferungen nach Deutschland stark beschränkt, nach eigenen Angaben aufgrund von technischen Problemen. Die Versorgungssicherheit ist dadurch nicht gefährdet, aber die Kosten für Endverbraucher werden vermutlich steigen. Nach § 24 des EnSiG können Gaslieferanten trotz Preisbindung ihre Kosten anheben, wenn zwei Punkte erfüllt sind:

  • Die zweite Stufe des Notfallplans muss ausgerufen worden sein
  • und die Bundesnetzagentur muss eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland“ feststellen.

Punkt zwei wird der Fall sein, sofern Nord Stream 1 nicht wieder in Betrieb geht. Sollte es dazu kommen, können Energieunternehmen ihre Preise erhöhen und es wird zu einer "Preisexplosion" kommen.

Alle aktuelle Infos gibt es hier: Der Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland ist beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nachzulesen.

Gaspreisentwicklung: Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Der Gaspreis für Gewerbe und Industrie wird pro abgenommene Kilowattstunde (kWh) bezahlt. Dieser Betrag wurde mit dem Anbieter vorab festgelegt, welcher nur einen Teil für die Beschaffung und den Vertrieb des Gases einbehält und den Rest weiterleitet.

Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis – wie der Strompreis  - aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen:

  • Beschaffung und Vertrieb
  • Netzentgelte
  • Steuern und Umlagen

Warum steigt der Gaspreis?

Es gibt mehrere Gründe, die den Gaspreis seit 2021 nach oben treiben:

  1. Die Nachfrage steigt. Das liegt zum einen an der Wirtschaft, die nach dem Corona-Lockdown wieder angezogen hat, als auch an anderen Ländern, wie beispielsweise China, die ihren Bedarf an Flüssigerdgas steigern, um Emissionen zu verringern. In Deutschland waren die 47 Gasspeicher 2020/2021 nach einem langen und kalten Winter beinahe aufgebraucht.
  2. Gas wird vermehrt für die Stromproduktion genutzt. Das liegt zum einen an dem hohen Strombedarf, zum anderen an dem Kohle- und Atomausstieg. Beide Gründe können dafür sorgen, dass auch in Zukunft der Gaspreis weiter steigen wird.
  3. Abgaben und Entgelte steigen. 2022 stieg der CO2-Preis von 0,54 Cent/kWh auf 0,65 Cent/kWh.
  4. Und nicht zuletzt aus den bereits erwähnten politischen Gründen.

Gaspreise 2022

Der aktuelle Gaspreis pro kWh lag im April bei rund 14 Cent/kWh und ist damit fast doppelt so hoch im Vergleich zum Vorjahr. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat zu diesem Thema eine Gaspreisanalyse veröffentlicht.

Gaspreis-Prognose

Eine Prognose für die Entwicklung des Gaspreises zu machen, ist für Experten schwierig. Zum 30. Juni 2022 waren die Speicher in Deutschland laut der Gas Infrastructure Europe zu circa 58,70 Prozent gefüllt. Ein Füllgrad von 80 Prozent werden derzeit angestrebt.

Der Füllstand liegt zum Halbjahr 2022 damit zwar unter den Speicherständen der Jahre 2019 und2020, jedoch über den Halbjahres-Speicherständen der Jahre 2018 und 2021. Daher ist sollten die Gaspreise für das Jahr 2022 weiterhin stabil bleiben, da die Speicher derzeit gut gefüllt sind und den Verbrauch im Winter decken können. Kritisch wird es laut Experten zum Jahr 2023, wenn die Gasspeicher leer sind und es nicht genug Ersatz gibt.

Es ist unser vorrangiges Anliegen, die mit Ihnen bestehenden Verträge auch weiterhin zu erfüllen!

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