Gasmarkt Deutschland: Wie funktioniert der Gasmarkt?

Gasmarkt Deutschland: Wie funktioniert der Gasmarkt?
Bildquelle: Fahroni / www.panthermedia.net

Für eine gesicherte Energieversorgung in Deutschland ist Erdgas ein notwendiger Bestandteil. Die größten Gasverbraucher in Deutschland sind die Industrie und Privathaushalte. Erdgas ist darüber hinaus aber auch ein (noch) nicht wegdenkbarer Energieträger für die Stromerzeugung, wichtig für die Speicherung von Energie und in der Zukunft ein potenzieller Ausgleichsspeicher für regenerativen Strom.

Gerade in Zeiten von Versorgungsunsicherheiten, hohen Preisen und der wichtigen Rolle, die Erdgas in Deutschland als Energieträger einnimmt, lohnt es sich auf den Gasmarkt in Deutschland zu schauen. Denn dass die Gasversorgung gesichert ist, dafür sorgt das Zusammenspiel vieler einzelner Akteure und vor allem das ausreichende Angebot von Erdgas. Aber wie funktioniert der Gasmarkt überhaupt? Wer ist dafür verantwortlich, dass auch weiterhin die Gaslieferungen in Deutschland sichergestellt sind und da ankommen, wo sie es sollen?

Wie funktioniert der Gasmarkt in Deutschland?

Insgesamt wurden 2022 etwa 866 Milliarden Kilowattstunden Erdgas verbraucht. Damit das Gas in Deutschland weiter zuverlässig fließt und der Gasmarkt sicher und flexibel handeln kann, müssen verschiedene Akteure zuverlässig zusammenarbeiten. Die Unternehmen in den Marktrollen des Erdgasgroßhändlers, des Erdgasspeicherbetreibers, des Ferngasnetzbetreibers und des Erdgasvertriebs dienen  grundlegend der Versorgungssicherheit.

Erzeugung

Seit über 60 Jahren wird Erdgas in Deutschland gefördert. Der Bedarf wird allerdings nur zu einem geringen Teil in Deutschland selbst gefördert, der Großteil des Erdgases stammt aus dem Ausland. Deutschland ist der weltweit größte Brutto-Importeur von Erdgas und war der führende Abnehmer russischer Erdgaslieferungen in Europa.

Die Abhängigkeit von Gasimporten ist folglich groß. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine stürzte Deutschland durch die Abhängigkeit vom Großexporteur Russland in eine Energiekrise, jedoch gelang es binnen zehn Monaten beinahe vollständig die russischen Gasimporte zu ersetzen.

Deutschland kann als Transitland für Gasflüsse bezeichnet werden. Vor der Energiekrise gingen die Gasflüsse von Ost nach West; jetzt von West nach Ost. 

Folgende Grafiken zeigen die dynamische Veränderung der Importe nach Deutschland im Zuge des Ukraine-Konflikts:

Herkunft von deutschem Erdgas - 09/2021

Herkunft von deutschem Erdgas - 12/2022

Mehr zur Versorgungssicherheit finden Sie in unserem Beitrag „Gas in Deutschland: Versorgungssicherheit & Zukunft“.

Gas-Netze

Die deutsche Infrastruktur für den Transport und die Verteilung des Erdgases ist gut ausgebaut. Das Gasnetz hat eine Gesamtlänge von etwa 511.000 Kilometern (Quelle: BMWK) und befördert sämtliche Gasmengen sicher und zuverlässig über weite Strecken durch die Rohrleitungen. Damit das auch mit der höchsten technischen Sicherheit passiert, müssen die Gashochdruckleitungen besonders hohe Anforderungen erfüllen.

Die Fernleitungs- und regionalen Netzbetreiber stellen die erforderlichen Transportkapazitäten bereit, damit das Gas zum Endverbraucher kommt.

Erdgas ist eine gut speicherbare Primärenergie. Gasmengen können für den späteren Bedarf in Gasspeichern vorgehalten werden und sie sind somit ebenfalls wichtig für einen funktionierenden Gasmarkt: Sie sorgen dafür Lieferschwankungen oder Mehrbedarf abzufangen, die Einspeicherung erfolgt insbesondere für kältere Perioden, in denen mehr Gas benötigt wird oder andersherum weniger Bedarf besteht als angenommen wurde. So tragen sie maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei.

Gasspeicher

Deutschland verfügt mit über das größte Speichervolumen für Erdgas weltweit. Noch mehr Speichervolumen haben lediglich die USA, Russland und die Ukraine. In Deutschland gibt es ca. 50 unterirdische Erdgasspeicher, die es möglich machen, enorme Mengen Gas einzuspeichern und bei Bedarf zurück in das Netz einzuspeisen. Bei der Erdgasspeicherung gibt es zwei unterschiedliche Arten:

Der Porenspeicher und Untertage-Erdgasspeicher. Der größte Gasspeicher in Deutschland, der Speicher in Rehden in Niedersachsen, ist beispielsweise ein Porenspeicher.

Aktuell gibt es in Deutschland Speicherkapazitäten von ca. 250 Mrd. kWh. Das ist umgerechnet etwa ein Viertel des deutschen Jahresverbrauchs an Erdgas. Meist werden die Gasmengen über das Jahr günstig eingekauft um diese im Winter mit Gewinn wieder verkaufen zu können.

Wie sind die Gasspeicher zurzeit befüllt? Das kann tagesaktuell bei Gas Infrastructure Europe (GIE) eingesehen werden.

LNG-Terminals

Dort, wo keine Erdgaspipelines bestehen, kann das Gas auch per Schiff transportiert werden, indem es verflüssigt wird. Um enorme Mengen Gas über weite Strecken verschiffen zu können, wird das Gas auf -162 Grad Celsius heruntergekühlt. Das hat zur Folge, dass sich das Volumen um das 600-fache verringert – es wird zu Liquid Natural Gas oder auch kurz LNG. Am Zielort angekommen, kann das LNG auf zwei Arten genutzt werden: Zum einen für den Weitertransport in Tanklastern, zum anderen indem es regasifiziert wird und in das Gasnetz eingespeist wird.

Gas-Verbrauch

Letztlich fließt das Gas zum Endkunden und wird dort verbraucht. 2022 sind die Verbrauchszahlen bereits im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Insgesamt wurden etwa 866 Milliarden Kilowattstunden Erdgas in Deutschland verbraucht. Das sind 17,6 Prozent weniger als noch 2021. 58,6 Prozent des Verbrauchs entfiel auf die Industrie, die restlichen 41,4 Prozent auf private Haushalte und Gewerbekunden. Der Gasverbrauch schwankt je nach Wetterlage und Jahreszeiten. Im Sommer wird weniger Gas verbraucht als im Winter, entsprechend den Heizperioden.

Tagesaktuelle Verbrauchsdaten auf Knopfdruck

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Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Erdgaspreis aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen: dem Preis für Beschaffung und Vertrieb, den Netzentgelten und den staatlich geregelten Steuern und Umlagen.

Der Preis für die Beschaffung und Vertrieb ist abhängig von Angebot und Nachfrage. Bei Unternehmen machte dieser Preis 2022 etwa 50 Prozent der Gesamtsumme aus. Analog zum Strommarkt, gibt es auch für den Gashandel einen wichtigen bilateralen Markt, den sogenannten OTC-Markt, wo Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen und den Beschaffungspreis bestimmen.

Die Netzentgelte machten 2022 etwa 20 Prozent des Gesamtpreises aus. Hier spielen der Bau und die Instandhaltung der Gasnetze, die Kosten für Gaszähler und die Ablesung, die Biogas-Umlage und die Marktraum-Umstellungsumlage eine Rolle. Die Gasnetznutzungsentgelte unterliegen nicht dem freien Markt.

Die restlichen 30 Prozent des Gaspreises in 2022 wurden pro Jahr vom Gesetzgeber festgelegt und entfallen auf Steuern und Umlagen.

Mit der Gaspreisbremse, die zum 01. März 2023 in Kraft getreten ist, versucht die Bundesregierung derzeit die Endverbraucher von den steigenden Gaspreisen zu entlasten.

Zusammenhang Strom und Gas

Der Gaspreis hat auch Auswirkungen auf den Strompreis. Um Verbrauchsschwankungen kurzfristig zu ergänzen, werden Gaskraftwerke eingesetzt, die flexibel und schnell steuerbar sind. Der in Gaskraftwerken erzeugte Strom, ist in der Regel teurer als der in Braunkohlekraftwerken produzierte Strom. Natürlich ist die regenerativ erzeugte elektrische Energie noch günstiger. Für den insgesamten Strombedarf ist allerdings das Kraftwerk mit den Erzeugungskosten preissetzend, welches zur Bedarfsdeckung noch erforderlich ist. Dieses "letzte" Kraftwerk ist derzeit in Deutschland üblicherweise ein Gaskraftwerk. Daher erfolgt die Strompreisbildung nach diesem sog. Merit-Order-Prinzip. Auch von der Bundesregierung wird die Gasverstromung als derzeit noch unverzichtbare Brückentechnologie bezeichnet.

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Regulierung und Handel

In 2022 gab es eine enorme Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. Durch die Engpässe, die im Zuge der ausbleibenden Lieferungen aus Russland entstanden, wurde das Angebot kleiner, daher stiegen die Preise. Mit den staatlichen Eingriffen, wie beispielsweise den Notfallplänen, dem Einkauf am Gashub und den gesetzlichen Anpassungen wurden Maßnahmen eingeleitet, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Mit dem Inkrafttreten der Gaspreisbremse, wurden auch die ersten Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die Kosten für die Endverbraucher zu senken.

Damit EHA Preisrisiken minimieren und gleichzeitig gewährleisten kann, dass ausreichend Mengen für den Bedarf der Kunden zur Verfügung stehen, setzen wir auf das Modell der strukturierten Beschaffung. Dabei werden sämtliche Möglichkeiten des Energiemarktes im EHA Portfoliomanagement genutzt. Strom und Gas werden über verschiedene Anbieter und Plattformen an verschiedenen Märkten und unter Nutzung von Marktanalysen und Live-Informationen beschafft. Unsere Kunden erhalten so einen optimalen Marktzugang und Markt- und Preisrisiken begrenzt. Dieses Modell bietet eine ideale Lösung für Unternehmen, die Ihre Energie professionell beschaffen lassen wollen.

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