Gasmarkt Deutschland: Funktion, Akteure, Bedeutung

Aktualisiert

Gasmarkt Deutschland: Wie funktioniert der Gasmarkt?
Bildquelle: Fahroni / www.panthermedia.net

Für eine gesicherte Energieversorgung in Deutschland ist Erdgas ein notwendiger Bestandteil.

Dass die Gasversorgung gesichert ist, dafür sorgt das Zusammenspiel vieler einzelner Akteure und vor allem das ausreichende Angebot von Erdgas.

Aber wie funktioniert der Gasmarkt überhaupt? Wer ist dafür verantwortlich, dass die Gaslieferungen in Deutschland sichergestellt sind und da ankommen, wo sie es sollen? Das und mehr analysieren wir in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erdgas als Brückentechnologie fungiert als wichtiges Bindeglied auf dem Weg zur Klimaneutralität – als Backup, um die Stromversorgung in Dunkelflauten zu sichern und Erdgas sichert zudem die Strom- und Wärmeversorgung von Industrieunternehmen direkt vor Ort ab.
  • Säule der Wärmeversorgung: Laut Bundesnetzagentur wurden im Jahr 2025 in Deutschland insgesamt 864 TWh Gas verbraucht, wo von gut zwei Drittel direkt in die Wärmeerzeugung (Prozess- und Raumwärme) flossen.
  • Fundamentale Markttransformation: Die deutsche Gasversorgung hat sich in den letzten Jahren von einer starren, pipelinebasierten Infrastruktur hin zu einem hochflexiblen, global vernetzten System entwickelt. Die Versorgungssicherheit ist heute robuster, aber auch direkter an die Preisdynamik des Weltmarkts gekoppelt.
  • Infrastruktur im Wandel: Die Transformation des Gasnetzes zum Wasserstoff-Kernnetz hat begonnen. Dies markiert den Übergang von einer rein fossilen Erdgasinfrastruktur hin zu einem dekarbonisierten Gastransportnetz, was langfristig neue Anforderungen an die Anlagentechnik und die Energiebeschaffung stellt.

Die Bedeutung von Erdgas für den deutschen Energiemarkt

Die Bedeutung von Erdgas für den deutschen Energiemarkt ist trotz voranschreitender Energiewende groß.

Erdgas als Säule der Wärmeversorgung

Laut Bundesnetzagentur wurden im Jahr 2025 in Deutschland insgesamt 864 TWh Gas verbraucht. Davon entfielen 40 % des Verbrauchs auf Haushalts- und Gewerbekunden und 60 % auf die Industrie.

Trotz voranschreitender Wärmewende ist Erdgas mit Blick auf die Wärmeversorgung in Deutschland noch nicht wegzudenken.

Erdgas als Brückentechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität

Als fossiler Brennstoff fungiert Erdgas auch als wichtige Brückentechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität. Es dient nicht nur als Backup, um die Stromversorgung in Dunkelflauten zu sichern, sondern sichert durch die industrielle Eigenproduktion auch direkt vor Ort die Strom- und Wärmeversorgung von Industrieunternehmen ab – und kommt so auf einen Anteil von ca. 16 % am Strommix in Deutschland.

Um die Versorgungssicherheit zukünftig auch dann zu gewährleisten, wenn Wind und Sonne pausieren – in sogenannten Dunkelflauten –, sollen im Rahmen der Kraftwerksstrategie 2026 weitere wasserstofffähige Gaskraftwerke ausgeschrieben werden.

Wie funktioniert der Gasmarkt in Deutschland?

Damit Gas in Deutschland weiter zuverlässig fließt und der Gasmarkt sicher und flexibel handeln kann, müssen verschiedene Akteure zuverlässig zusammenarbeiten.

Die Unternehmen in den Marktrollen

  • des Erdgasgroßhändlers,
  • des Erdgasspeicherbetreibers,
  • des Ferngasnetzbetreibers und
  • des Erdgasvertriebs

dienen grundlegend der Versorgungssicherheit.

Erdgasförderung in Deutschland

Seit über 60 Jahren wird Erdgas in Deutschland gefördert. Die heimische Produktion deckt heute jedoch nur noch etwa 4 % des Bedarfs, weshalb Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen ist.

Gasimporte nach Deutschland im Jahr 2025

Nach der Neuausrichtung der Lieferketten, bedingt durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, ist Deutschland heute einer der bedeutendsten Importeure von Erd- und Flüssiggas (LNG) in Europa.

Die Grafik zeigt die Anteile der Erdgasimporte nach Lieferwegen; LNG (Liquefied Natural Gas) bezeichnet per Schiff importiertes, verflüssigtes Erdgas aus verschiedenen Förderländern.
Quelle: www.bundesnetzagentur.de

Dabei hat sich die Flussrichtung im Gasnetz grundlegend gewandelt: Früher floss das Gas primär von Ost nach West; heute gelangt es über Norwegen und neue deutsche LNG-Terminals von West und Nord nach Südost.

Die deutschen Gas-Netze

Die deutsche Infrastruktur für den Transport und die Verteilung des Erdgases ist gut ausgebaut. Das Gasverteilnetz hat eine Gesamtlänge von etwa 560.000 Kilometern (Quelle: BMWK) und befördert sämtliche Gasmengen sicher und zuverlässig über weite Strecken durch die Rohrleitungen. Damit das auch mit der höchsten technischen Sicherheit passiert, müssen die Gashochdruckleitungen besonders hohe Anforderungen erfüllen.

Die Fernleitungs- und regionalen Netzbetreiber stellen die erforderlichen Transportkapazitäten bereit, damit das Gas zum Endverbraucher kommt.

Gasspeicher und LNG-Terminals: Die neuen Garanten der Versorgungssicherheit

Erdgas ist eine gut speicherbare Primärenergie. Diese Eigenschaft ist das Rückgrat des funktionierenden Gasmarktes, da sie den Ausgleich zwischen kontinuierlichem Import und schwankendem Verbrauch ermöglicht.

Seit 2022 wurde dieses System um eine entscheidende, hochflexible Komponente erweitert: die LNG-Infrastruktur.

Die strategische Pufferfunktion der Gasspeicher

Zur Speicherung wird Gas in unterirdische Speicher (Poren- und Kavernenspeicher) gepresst. Dies dient als:

  • Saisonaler Ausgleich: Die Einspeicherung erfolgt primär im Sommer, um in kälteren Perioden den sprunghaft ansteigenden Heizbedarf abzufangen.
  • Pufferfunktion: Speicher dienen als Sicherheitspuffer bei kurzfristigen Lieferunterbrechungen oder unvorhergesehenen Bedarfsspitzen in der Industrie.

LNG als Säule der Versorgungssicherheit

Ergänzend zur statischen Bevorratung in Speichern ist die LNG-Infrastruktur zur unverzichtbaren Säule für die kurzfristige Versorgungssicherheit geworden.

  • Diversifizierung der Quellen: Über die deutschen LNG-Terminals (z. B. Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Stade) hat Deutschland direkten Zugang zum Weltmarkt. Dies beendet die Abhängigkeit von einzelnen Pipeline-Lieferanten und ermöglicht den Gasimport aus Regionen wie den USA, Katar oder Norwegen.
  • Flexibilität bei Lastspitzen: Während Speicher eingeschränkte Entnahmeraten haben, bietet LNG die Möglichkeit, bei unvorhergesehenem Mehrbedarf zusätzliche Schiffsladungen auf dem Weltmarkt zu ordern und so das Angebot dynamisch zu erweitern.
  • Infrastruktur-Brücke: Die neue LNG-Infrastruktur sichert nicht nur die aktuelle Erdgasversorgung, sondern sind als "H2-ready"-Anlagen bereits die Vorhut für den künftigen Import von grünem Wasserstoff.

Eine detaillierte Analyse zu den aktuellen Füllständen der Gasspeicher und dem Zusammenspiel der Speicher und den LNG-Importen finden Sie in unserem Beitrag „Füllstände der Gasspeicher in Deutschland – Analyse & Einordnung“.

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Gasspeicher in Deutschland

Deutschland verfügt mit über das größte Speichervolumen für Erdgas weltweit. Noch mehr Speichervolumen haben lediglich die USA, Russland und die Ukraine. In Deutschland gibt es ca. 50 unterirdische Erdgasspeicher, die es möglich machen, enorme Mengen Gas einzuspeichern und bei Bedarf zurück in das Netz einzuspeisen.

Bei der Erdgasspeicherung gibt es zwei unterschiedliche Arten: Der Porenspeicher und Untertage-Erdgasspeicher. Der größte Gasspeicher in Deutschland, der Speicher in Rehden in Niedersachsen, ist beispielsweise ein Porenspeicher.

Aktuell gibt es in Deutschland Speicherkapazitäten von ca. 250 Mrd. kWh. Das ist umgerechnet etwa ein Viertel des deutschen Jahresverbrauchs an Erdgas.

Während früher primär wirtschaftliche Gewinne (Sommer-Winter-Preisdifferenzen) die Speicherung trieben, steht heute die gesetzlich garantierte Versorgungssicherheit im Fokus.

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Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Grundsätzlich setzt sich der Erdgaspreis aus drei wesentlichen Bestandteilen zusammen:

  • dem Preis für Beschaffung und Vertrieb,
  • den Netzentgelten und
  • den staatlich geregelten Steuern und Umlagen.

Unser Beitrag zur Zusammensetzung des Gaspreises gibt einen vertiefenden Überblick darüber, welche Einflüsse auf den Gaspreis wirken und beleuchtet zudem, wie sich der Gaspreis für Gewerbe und Industrie zusammensetzt.

So beeinflussen die Gaspreise den Strompreis

Der Gaspreis hat auch Auswirkungen auf den Strompreis.

Um Verbrauchsschwankungen durch Erneuerbare Energien kurzfristig zu ergänzen, werden Gaskraftwerke eingesetzt, die flexibel und schnell steuerbar sind. Der in Gaskraftwerken erzeugte Strom, ist in der Regel teurer als der zum Beispiel in Braunkohlekraftwerken produzierte Strom.

Natürlich ist die regenerativ erzeugte elektrische Energie noch günstiger. Für den insgesamten Strombedarf ist allerdings das Kraftwerk mit den Erzeugungskosten preissetzend, welches zur Bedarfsdeckung noch erforderlich ist. Dieses "letzte" Kraftwerk ist derzeit in Deutschland üblicherweise ein Gaskraftwerk. Daher erfolgt die Strompreisbildung nach diesem sogenannten Merit-Order-Prinzip.

So funktioniert der Gashandel

Der Gashandel in Deutschland hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt.

Seit der Zusammenlegung der beiden deutschen Marktgebiete zum einheitlichen Trading Hub Europe (THE) im Jahr 2021 werden sämtliche Gasmengen über einen virtuellen Handelspunkt mit zwei Ebenen abgewickelt.

Die Handelsplätze: Börse vs. OTC

Der Handel findet analog zum Stromhandel auf zwei Ebenen statt, die sich gegenseitig beeinflussen:

  • Börsenhandel: An der European Energy Exchange (EEX) werden standardisierte Produkte (Kontrakte) gehandelt. Die Börse fungiert als zentraler Marktplatz und sorgt für die tägliche Preisfeststellung (Spot- und Terminmarkt).
  • OTC-Handel (Over-the-Counter): Der außerbörsliche OTC-Markt ist für den Gashandel weiterhin von zentraler Bedeutung. Hier schließen Energieversorger und große Industriekunden bilateral Verträge ab. Dies ermöglicht individuelle Laufzeiten und Mengenstrukturen, die exakt auf das Lastprofil des Kunden zugeschnitten sind.

Spotmarkt und Terminmarkt

Je nach Beschaffungsstrategie und Zeithorizont wählen Unternehmen zwischen zwei grundlegenden Produkttypen:

  • Spotmarkt-Produkte (kurzfristig): Hier wird Gas für die Lieferung am nächsten Tag (Day-Ahead) oder sogar innerhalb desselben Tages (Intraday) gehandelt. Die Preise reagieren hier sensibel auf aktuelle Ereignisse wie Wetterumschwünge oder kurzfristige Änderungen der Windstromeinspeisung (Gas als Backup).
  • Terminmarkt-Produkte (langfristig): Hier sichern sich Marktteilnehmer Mengen für die kommenden Monate oder Jahre (Futures/Forwards) zu heute festgeschriebenen Preisen. Dies dient der Planungssicherheit und dem Risikomanagement gegenüber Preisvolatilitäten.

Unsere Empfehlung für Unternehmen: Strukturierte Beschaffung

Um Preisrisiken zu minimieren und gleichzeitig zu gewährleisten, dass ausreichend Gasmengen für den Bedarf von Unternehmen zur Verfügung stehen, empfehlen wir das Modell der strukturierten Beschaffung – nicht nur für Gas, sondern auch für Strom.

Bei einer strukturierten Beschaffung werden sämtliche Möglichkeiten des Energiemarktes genutzt. Strom und Gas werden über verschiedene Anbieter und Plattformen an verschiedenen Märkten und unter Nutzung von Marktanalysen und Live-Informationen beschafft.

Bei EHA erhalten Kunden so einen optimalen Marktzugang, der Markt- und Preisrisiken begrenzt. Die strukturierte Beschaffung bietet eine ideale Lösung für Unternehmen, die Ihre Energie professionell beschaffen lassen wollen!

Globalisierung des Gaspreises: Chance und Risiko zugleich

Dass die Versorgungssicherheit heute als robuster gilt, liegt an der Diversifizierung: Deutschland hängt nicht mehr am „Tropf“ einer einzigen Gasquelle. Doch diese neue Freiheit hat ihren Preis: Die Kopplung an die Weltmarkt-Dynamik.

Warum die Versorgung robuster ist

Durch die neuen LNG-Terminals und die verstärkten West-Ost-Flüsse ist das System physisch resilienter. Selbst wenn eine Importroute ausfällt, kann Deutschland über den Weltmarkt kurzfristig Mengen nachsteuern.

Die direkte Kopplung an den Weltmarkt

Früher waren Gaspreise oft über langfristige Preisbindungen oder bilaterale Pipeline-Verträge „gedeckelt“ oder zumindest träge. Heute konkurriert ein deutscher Industriebetrieb quasi direkt mit einem Käufer in Japan oder China um dieselbe Schiffsladung LNG.

Außerdem kann der LNG-Preis durch eine Vielzahl weiterer Aspekte beeinflusst werden:

  • Preistreiber Weltmarkt: Streiks in australischen LNG-Anlagen oder ein kalter Winter in Asien schlagen sich heute unmittelbar in höheren LNG-Preisen nieder.
  • Geopolitische Risiken: Konflikte in Förderregionen oder an strategischen Transportknotenpunkten können die Preise ebenfalls stark beeinflussen. Der aktuelle Krieg im Nahen Osten illustriert dies deutlich: Die Sorge vor einer Sperrung der Straße von Hormus – durch die rund 20 % des weltweiten LNG-Verkehrs (insbesondere aus Katar) fließen – führt sofort zu Risikoaufschlägen an den Handelsplätzen. Selbst wenn physisch noch genug Gas in den deutschen Speichern ist, treibt die Angst vor künftigen Lieferengpässen auf dem Weltmarkt die Preise am Terminmarkt für deutsche Unternehmen nach oben.
  • Währungsrisiken: Da LNG global meist in US-Dollar gehandelt wird, beeinflussen nun auch Wechselkursschwankungen indirekt die deutschen Beschaffungskosten.
  • Volatilität als neue Konstante: Die Preise am Spotmarkt sind durch die genannten Aspekte nervöser Kurze, heftige Preisausschläge sind im globalen Gashandel heute eher die Regel als die Ausnahme.
Über die Autoren

Das EHA Redaktionsteam vereint Fachwissen aus Energiepraxis, Marktbeobachtung und Regulierung sowie Erfahrung in Energiedatenanalyse, Beratung und der verständlichen Aufbereitung komplexer Energiethemen.

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