Gasumlage sorgt für Preiserhöhung bei Gaskunden

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Gasumlage: Was ändert sich für Gaskunden?
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Mit der Einführung einer befristeten Gasspeicher- und Gasbeschaffungsumlage möchte die Bundesregierung eine stabile Gasversorgung sicherstellen und gleichzeitig Energieunternehmen entlasten.

So soll gewährleistet werden, dass keine Lieferengpässe, -ausfälle oder die vollkommene Schließung drohen. Für Gaskunden bedeutet das jedoch, dass trotz der in den letzten Monaten stark steigenden Energiepreise weitere Mehrkosten zu erwarten sind. Alles, was es zur Gasumlage zu wissen gibt, beantworten wir hier.

Gasumlagen im Überblick

Mit der Gasspeicher- und der Gasbeschaffungsumlage werden zwei Umlagen zum 01. Oktober 2022 erhoben. Am 04. August hat die Bundesregierung die Gaspreisanpassungsverordnung (GasPrAnpV) nach § 26 des Energiesicherungsgesetz (EnSiG) beschlossen und schon am 09. August 2022 ist die Verordnung in Kraft getreten.

Auch die Gasbilanzierungsumlage fällt zum 01. Oktober erstmalig an. Zwar zählt diese schon länger zu den anfallenden Umlagen, lag aber bisher bei 0,00 ct/kWh und fiel somit bei SLP- als auch bei RLM-Kunden nicht ins Gewicht.

Gasbeschaffungsumlage: Definition, Höhe und Laufzeit

Sollten sich die Gasimportmengen erheblich reduzieren, ist mit der Gaspreisanpassungsverordnung geregelt, dass alle Mehrkosten für Ersatzbeschaffungen erstattet werden. Mittels der neuen Gasbeschaffungsumlage werden die Kosten der Ersatzbeschaffung für ausgefallene Gasimporte auf die Letztverbraucher verteilt. Für alle Gas-Lieferanten ist die Umlage gleich hoch. So soll das Ziel erreicht werden, Lieferketten und Marktmechanismen lange aufrecht zu erhalten.

Vorerst ist die Gasumlage zeitlich begrenzt und soll mit einer Höhe von 2,419 Ct/kWh (Netto zzgl. USt.) vom 01. Oktober 2022 bis zum 30. September 2024 anfallen. Alle drei Monate wird die Höhe überprüft und ggf. wird eine erneute Preisanpassung notwendig. Das kann eine Steigung, aber auch eine Senkung der Gasumlage möglich machen.

Für mehr Informationen gibt es den Fragen-Antworten-Katalog des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.

Gasspeicherumlage: Definition, Höhe und Laufzeit

Die Gasspeicherumlage sichert die Füllstandvorgaben für Gasspeicheranlagen durch Verteilung möglicher Mehrkosten auf alle Gaskunden. Die Bundesregierung möchte mit dem Gesetz sicherstellen, dass auch beim Ausfall von Gasimporten die Gasversorgung im Winter sichergestellt ist.

Wie werden die Mindestfüllstände erreicht?

Indem der sogenannte Marktgebietsverantwortliche, das Trading Hub Europe (THE), bei Bedarf Gas einkaufen und dieses einspeichern. Im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben kann vom THE eingegriffen werden, dennoch sind die Speicherbetreiber primär für die Füllstände verantwortlich.

Alle Kosten, die deshalb bis zum 01. April 2025 anfallen, werden über die Gasspeicherumlage finanziert, welche durch den Gaspreis auf alle Gaskunden verteilt wird. Wie genau die Gasspeicherumlage auf die Endverbraucher umgelegt wird, ist noch unklar.

Auch die Höhe der Gasspeicherumlage wird alle drei Monate überprüft und angepasst. Am 18. August wurde nun auch die tatsächliche Höhe der Umlage durch Trading Hub Europe (THE) bekannt gegeben und beträgt 0,059 ct/kWh (Netto zzgl. USt.). Bei einem Jahresverbrauch von beispielsweise 20.000 Kilowattstunden, würden jährlich Mehrkosten von etwa 11,80 Euro ohne Mehrwertsteuer auf Sie zukommen.

Gasbilanzierungsumlage: Definition, Höhe und Laufzeit

Die Bilanzierungsumlage (früher Regel- und Ausgleichsenergieumlage) ist zum 01. Oktober 2021 in Kraft getreten und wurde bis zum 30. September 2022 einheitlich auf 0,00 ct/kWh festgelegt.

Die Trading Hub Europe wird die Gasbilanzierungsumlage künftig jährlich für SLP und RLM festlegen, um so den erwarteten Fehlbetrag aus dem Einsatz von Regel- und Ausgleichsenergie gemäß GABi Gas 2.0 zu decken. Diese wird von Bilanzkreisverantwortlichen getragen, die SLP und RLM Entnahmestellen beliefern.

Zum 01. Oktober 2022 wurde für die

  • RLM Bilanzierungsumlage ein Betrag von 0,39 ct/kWh
  • und für die SLP Bilanzierungsumlage ein Betrag von 0,57 ct/kWh festgelegt.

Wie viel Mehrkosten erwarten Industrie- und Gewerbekunden?

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) werden Mehrkosten für die Industrie durch die Gasumlage von 5,7 Milliarden Euro erwartet.

Wie können Unternehmen finanziell entlastet werden?

Unternehmen können finanzielle Entlastung aufgrund der hohen Energiepreise durch das EU-Beihilferecht bekommen. Dazu zählen:

  • Zuschüsse für besonders energieintensive Unternehmen,
  • Kreditlinien der KfW,
  • staatliche Eigenkapitalhilfen für systemrelevante Unternehmen
  • und Bürgschaftsprogramme

Wer wird mit den Gasumlagen konkret entlastet?

Energieunternehmen sollen von den Gasumlagen profitieren. Derzeit erhalten diese weniger Gas aus Russland als vertraglich vereinbart und beschaffen daher zu Mehrkosten Gas anderswo, ohne es an ihre Gaskunden weitergeben zu können durch Verträge mit Festpreisen und langen Laufzeiten. Durch die neue Umlage können ab Oktober bis zu 90 Prozent der Mehrkosten weitergegeben werden.

Welche Unternehmen haben einen Anspruch?

Nicht etwa alle Energieunternehmen. Eine unmittelbare Betroffenheit des Ausfalls von vertraglich festgelegten Gasimportmengen ist erforderlich. Außerdem muss der Vertrag eine direkte sowie physische Lieferung in das deutsche Gasmarktgebiet vorsehen und vor dem 01. Mai 2022 abgeschlossen worden sein.

Alles zur aktuellen Gaslage können Sie in unserem Beitrag „Gas in Deutschland“ oder unserem Whitepaper nachlesen.

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