Grünstrom für die REWE Group aus dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 – Meilenstein gesetzt

Grünstrom für die REWE Group aus dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 – Meilenstein gesetzt
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Die Nachricht sorgte 2021 für Aufsehen. EHA hatte für die REWE Group ein PPA mit dem Windparkbetreiber Ørsted abgeschlossen. Ab 2025 bezieht der Handelskonzern über einen Zeitraum von zehn Jahren Grünstrom aus dem neu zu errichtenden Windpark Borkum Riffgrund 3.

Jetzt wird mit der Installation der Fundamente für die Offshore-Anlagen ein Meilenstein für das Projekt gesetzt. Jörg Kubitza, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland, und EHA-Geschäftsführer Jan-Oliver Heidrich geben Auskunft.

Fragen an Jörg Kubitza

Ist die Installation der Fundamente die größte Herausforderung beim Bau eines Offshore-Windparks? Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?

Die Installation der Fundamente ist definitiv eine herausfordernde Aufgabe für unsere Teams. Wir sprechen hier von bis zu 100 Meter langen und bis zu 1.500 Tonnen schweren Stahlrohren, die in den Boden gebracht werden. Insgesamt 83 sogenannte Monopiles für Borkum Riffgrund 3. Da müssen viele Faktoren zusammenspielen und wir sind natürlich auch auf äußere Einflüsse wie das Wetter angewiesen. Im Grunde werden die Fundamente mit einem hydraulischen Hammer in den Meeresboden getrieben. Das klingt vor allem nach Kraftaufwand, ist aber auch Millimeterarbeit für die Installationsteams. Innerhalb eines halben Tages steht dann so ein Fundament im Meeresgrund. Dabei gelten in Deutschland sehr hohe Standards, um die Umwelt zu schonen. Allen voran eine Dezibelgrenze, die wir im Umkreis der Baustelle nicht überschreiten dürfen. Dafür kommen dann verschiedene Schallschutzsysteme zum Einsatz, um die Meeresbewohner zu schützen.

Jörg Kubitza, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland
Jörg Kubitza, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland

Borkum Riffgrund 3 wird der größte Offshore-Windpark in Deutschland. Nennen Sie uns doch mal einige Zahlen, die die Bedeutung des Projekts untermauern.

Das Projekt knackt in mehrerlei Hinsicht Rekorde. Die 83 Anlagen sind mit Abstand die größte Anzahl, die wir bisher in einem deutschen Projekt hatten. Dazu sind es erstmals 11-Megawatt Turbinen – die größten ihrer Art in deutschen Gewässern. Der Rotordurchmesser dieser Modellgeneration beträgt mittlerweile rund 200 Meter. Der Windpark entsteht auf einer Fläche von rund 75 km2. Um die Turbinen zu verbinden und den Strom beim Netzbetreiber einzuspeisen verlegen wir Insgesamt 120 km Kabel. Vergleichbar mit der Luftlinie von Berlin nach Leipzig. Wir kommen dann auf über 900 Megawatt installierte Kapazität – das entspricht der Kapazität eines großen Kohlekraftwerks. Und es ist etwa das Doppelte von Borkum Riffgrund 2, unser letzter deutscher Offshore-Windpark. Die 900 Megawatt würden umgerechnet knapp eine Million deutscher Haushalte mit grünen Strom versorgen. Diesmal geht es aber vor allem um die Dekarbonisierung der Industrie.

Welche Lebensdauer haben Offshore-Windkraftanlagen? Wäre eine Fortsetzung der Grünstromlieferung über 2035 hinaus möglich und wirtschaftlich sinnvoll?

Wir planen bei unseren Offshore-Windparks mittlerweile mit über 30 Jahren Betriebsdauer. Offshore-Windkraft wird über die nächsten Jahrzehnte aufgrund des hohen Bedarfs der Industrie an grünem Strom weiter nachgefragt werden. Und ich gehe davon aus, dass auch im Jahr 2035 Corporate PPAs wirtschaftlich Sinn machen. Planungssicherheit beim Strompreis bleibt auch zukünftig wichtig.

Welche Rolle kann Offshore-Windkraft für das Gelingen der Energiewende spielen und welche Bedingungen braucht es dafür?

Offshore-Wind ist eine ganz grundsätzliche Säule für die Energiewende. Die Potenziale für Grünstrom aus Nord- und Ostsee sind nach wie vor sehr groß und nicht ansatzweise ausgeschöpft. Insbesondere auch für Stromintensive Industrien können wir so die benötigten Kapazitäten erreichen. Die deutsche Bundesregierung hat das erkannt und bis 2045 soll der Ausbau auf mindestens 70 Gigawatt steigen. Wir sind heute gerade einmal bei rund 8 bis 9 GW. Um die gewünschten Ziele zu erreichen, brauchen wir eine starke Lieferkette, die auch die benötigten Anlagen, Kabel und Fundamente bereitstellen kann. Auch die Verfügbarkeiten von Installationsschiffen und entsprechender Hafeninfrastruktur muss steigen. Und nicht zuletzt bedarf es Fachkräfte, die Lust darauf haben, die Energiewende mitzugestalten. In all diesen Bereichen ist noch erheblich Luft nach oben - und eine sehr große wirtschaftliche Chance.

Fragen an Jan-Oliver Heidrich

Warum setzt EHA für die REWE Group auf ein PPA mit Offshore-Windenergie?

Auf dem Meer weht stetiger und häufig starker Wind. Ein PPA mit Offshore-Windenergie bietet daher mehr Vollaststunden und einen deutlich höheren Nutzungsgrad als andere Erzeugungsarten. Im Vergleich zur Photovoltaik beträgt das Verhältnis ungefähr Vier-zu-eins. Die hohe Verlässlichkeit von Offshore-Windkraft bei der Erzeugung großer Strommengen ist ein großer Vorteil.

Jan-Oliver Heidrich, EHA-Geschäftsführer
Jan-Oliver Heidrich, EHA-Geschäftsführer

Welche Unternehmen könnten noch davon profitieren und worauf sollten sie achten?

Insbesondere Großverbraucher und Industrieunternehmen können ihre Lastgänge mit Strom aus Offshore-Windkraft besser abbilden. Deren Interessen entsprechen auch die vergleichsweise langen Vertragslaufzeiten. Zugleich ist die Integration des PPA ins Portfolio sehr anspruchsvoll, das können nur Profis. 

EHA beschafft für die REWE Group zukünftig eine Stromkapazität von jährlich rund 100 MW aus Borkum Riffgrund 3. Welchen Anteil wird diese Windkraft dann an der REWE-Versorgung haben? Und werden dadurch Lieferungen aus anderen regenerativen Quellen verdrängt?

Die REWE Group wird bald 15 Prozent ihres Strombedarfs durch Lieferung aus Borkum Riffgrund 3 abdecken. Eine Verdrängung findet hier nicht statt. Viel eher leisten wir an dieser Stelle einen positiven Beitrag durch die Finanzierung von neuen Erzeugungsanlagen.

Plant EHA weitere Windkraft-PPA, eventuell auch mit Ørsted?

Ja, wir möchten in Zukunft noch mehr Windkraft-PPA umsetzen und Ørsted erweist sich als ein toller Partner. Unsere Kunden können so ihre Beschaffung diversifizieren, ihr Preisrisiko minimieren und ihren Carbon Footprint senken.

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