Hängepartie Smart Meter Rollout: Technische Risiken

Aktualisiert

Der Startschuss für den Smart Meter Rollout lässt weiter auf sich warten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kam in der am 31. Januar veröffentlichten ersten Marktanalyse zu dem Schluss, dass die technische Möglichkeit des Einbaus von intelligenten Messsystemen noch nicht gegeben ist.

Hängepartie für den Smart Meter Rollout – Marktanalyse sieht die Voraussetzungen noch nicht erfüllt
Bildquelle: iStock

Nach wie vor ist nur eines von drei verlangten Smart Meter Gateways zertifiziert.

Die Technik sollte erst in den Praxistest

Wird nach der Zertifizierung weiterer Smart Meter Gateways sofort mit dem flächendeckenden Umbau der Stromzähler begonnen? „Das steht zu erwarten“, meint Jörg Geurink, Abteilungsleiter Metering & Solutions, Prokurist und Smart Meter-Experte bei EHA. Die Eile sieht er der Politik geschuldet, die mit der Entscheidung den Klimaschutz pushen möchte. Geurink allerdings ist skeptisch und warnt vor Aktionismus.

Jörg Geurink, Bildquelle: EHA

Um Qualität und Sicherheit bei der Messung zu gewährleisten, seien erst Praxistests erforderlich. Die zertifizierten Gateways müssen sich zunächst im Einsatz bewähren zum Beispiel mit Blick auf Datenvolumina, Software oder Kommunikationswege. Der EHA-Experte schlägt daher vor, die Technik in einer definierten Region einem Feldtest zu unterziehen. Idealerweise sollten vor dem Rollout auch mehr als drei Gateways bzw. Anbieter am Markt sein.

Als Pionier im Bereich des überregionalen Betriebs kommunikativer Messtechnik kennen wir bei EHA die Anforderungen an diese Systeme und die Komplexität der Technik. Bis zur Marktreife der Systeme, und vor allem dem praktischen Umgang mit diesen, braucht es eine angemessene Zeit.

Jörg Geurink, Abteilungsleiter Metering & Solutions

Problematisch: Smart Meter Gateways und RLM-Zähler sind nicht kompatibel

Das BSI wies zugleich darauf hin, dass die Feststellung der technischen Möglichkeit auch eine differenzierte Betrachtung der im Messstellenbetriebsgesetz aufgeführten Einbaugruppen erfordert. Für Großverbraucher bedeutet das im Klartext: Obwohl die Smart Meter Gateways der ersten Generation den funktionalen Anforderungen von Endkunden mit einem Verbrauch über 100.000 kWh jährlich prinzipiell genügen, dürfen sie derzeit nicht eingebaut werden. Die von Großverbrauchern genutzten RLM-Zähler (Registrierende Leistungsmessung) werden dreiphasig mit Strom versorgt. Sie sind daher nicht kompatibel mit den einphasigen Smart Meter Gateways, bei denen ein Ausfall der Phase zum Ausfall der Messung führen würde.

Unternehmen haben die Möglichkeit, dem Zwangsaustausch der Messsysteme durch den grundzuständigen Messstellenbetreiber zuvorzukommen. Wer stattdessen das System eines wettbewerblichen Messstellenbetreibers installiert, erhält dafür acht Jahre Bestandsschutz.

Wenn Sie Fragen zum Messstellenbetriebsgesetz oder dem gesetzlich vorgeschriebenen Austausch von Zählern haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

Hier geht es zur Marktanalyse: www.bsi.bund.de

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