Wie läuft der Handel mit Strom

Die Beschaffung von Strom auf dem Großhandelsmarkt ist für EHA ein „daily business“. Ständig beobachten wir die Entwicklungen und können sehr schnell reagieren, um für unsere Kunden Preise unterhalb des Marktdurchschnitts zu erzielen. Wie funktioniert der Stromhandel? Dieser Beitrag gibt Einblicke in ein kompliziertes Geschäft.

Handel am Strommarkt

Der Markt für elektrische Energie wird bestimmt durch eine Eigenart der Handelsware. Strom ist nur sehr begrenzt speicherbar. Die Energieerzeugung folgt immer den zeitlichen Schwankungen des Stromverbrauchs. Daher wird mit Energiemengen gehandelt, die noch gar nicht produziert sind. Außerdem ist ein Übertragungsnetz zu seinem Transport erforderlich.

OTC-Handel – „Strom über den Tresen“

Das Gros der Geschäfte mit elektrischer Energie läuft in Deutschland im OTC-Handel. Der „Over-the-Counter-Handel” erfolgt meist direkt zwischen Anbietern und Käufern, manchmal auch vermittelt von Brokern auf elektronischen Plattformen. „Über den Tresen“ gehen die Ausschreibungen regionaler und überregionaler Energieversorger. Diese bilateralen Geschäfte sind nicht öffentlich einsehbar, die dort zustande kommenden Preise orientieren sich in der Regel an denen der offiziellen Strombörsen.

Gehandelt werden im OTC-Handel Base- und Peak-Produkte. Base ist eine Grundlast-Bandlieferung, die über den Lieferzeitraum in jeder Viertelstunde die gleiche Leistung aufweist. Dagegen ist beim Peak die Bandlieferung auf die Spitzenlastzeit Montag bis Freitag von 8 – 20 Uhr beschränkt. Als sogenannte Forwards dienen sie primär der Sicherstellung der physischen Lieferung.

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Handelsplatz Strombörse

Die Strombörsen sind Marktplätze für elektrische Energie mit strikten Regelwerken, an denen standardisierte Strom-Produkte gehandelt werden. Diese Base- und Peakprodukte heißen Futures und sind vorrangig für die finanzielle Preisabsicherung bestimmt. Die für Deutschland bedeutendsten Strombörsen sind die Leipziger EEX (European Energy Exchange) und die Pariser EPEX (European-Power-Exchange).

An den Strombörsen stehen sich die Anbieter und die Nachfrager in Reihenfolge der Höhe ihrer Gebote gegenüber. Die günstigsten Angebote erhalten zuerst den Zuschlag und die Nachfrager mit dem höchsten Gebot werden an erster Stelle berücksichtigt.

Terminmärkte für den Handel auf lange Sicht

Die langfristigen Geschäfte mit Strom werden auf Terminmärkten wie an der Leipziger EEX (European Energy Exchange) getätigt. Hier werden Strom-Futures zur Preisabsicherung für Lieferzeitpunkte zwischen einer Woche und sechs Jahren gehandelt. Die wichtigsten Produkte sind die standardisierten Monats-, Quartals- oder Jahreskontrakte Base und Peak. Käufer nutzen den Terminmarkt, um sich gegen steigende Preise abzusichern. Verkäufer, z. B. Stromproduzenten, schützen sich hier gegen fallende Preise.

Zur Abbildung des Verbrauchsverhaltens der Kunden muss die langfristige Beschaffung von Grundlast- und Spitzenlast-Bandlieferungen am Terminmarkt kurz vor der Lieferung mit Stunden- und Viertelstundenprodukten am sogenannten Spotmarkt ergänzt werden.

Der Spotmarkt für die kurzfristigen Geschäfte

Die kleinsten Strom-Produkte umfassen einzelne Stunden und sogar Viertelstunden. Sie werden erst gehandelt, wenn kurzfristige Prognosen für den nächsten Tag oder die kommenden Stunden zur Verfügung stehen. Liegt zwischen Geschäftsabschluss und Lieferung nur ein Tag, findet der Handel vorwiegend am Spotmarkt der Pariser EPEX (European-Power-Exchange) statt. Die Markteilnehmer können den Strom dort kurzfristig kaufen und verkaufen.

Der Spotmarkt gliedert sich in zwei Teilmärkte, den Day-Ahead- und den Intraday-Markt.

Auf dem Day-Ahead-Markt werden täglich Strom-Auktionen für jede Stunde des Folgetags durchgeführt. Die Gebote müssen bis mittags bei der Börse eingegangen sein. Dann werden aus den Schnittpunkten der sortierten Kauf- und Verkaufs-gebote die Marktpreise für die verschiedenen Zeitintervalle des Folgetags bestimmt.

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ergab sich der Bedarf für einen noch kurzfristigeren Handel. Der kontinuierliche Intraday-Markt wurde geschaffen, um den Stromverkauf aus den regenerativen Erzeugungsanlagen den sich ständig ändernden Wind- und Photovoltaik-Prognosen anzupassen. Der Strom für Stunden und Viertelstunden wird bis kurz vor Lieferbeginn gehandelt. Hier werden täglich und rund um die Uhr kurzfristige Überschüsse verkauft und Engpässe kompensiert. Geschäftsabschlüsse sind bis 5 Minuten vor dem Lieferbeginn möglich.

Der Regelenergiemarkt

Zum Ausgleich unvorhergesehener kurzfristiger Schwankungen im Stromnetz, weil Produktion und Verbrauch nicht perfekt zusammenpassen, wird Regelenergie benötigt. Sie soll verhindern, dass Netze überlastet werden und die Versorgung ausfällt. Zur Sicherstellung der Netzstabilität schreiben die Übertragungsnetzbetreiber auf dem separaten Regelleistungsmarkt, einer Online-Plattform, die Strommenge aus, die sie zum jeweiligen Zeitpunkt benötigen könnten. Anbieter von Regelenergie sind vor allem die Stromproduzenten. Diese greifen auf die Regelenergieverträge operativ nur in dem Umfang zurück, der notwendig ist, um das Netz zu niedrigsten Kosten stabil zu halten.

Preisabsicherung bei der Strombeschaffung

Die Strompreise in Deutschland sind abhängig von den Kraftwerken, die bei unterschiedlicher Nachfrage preissetzend sind. Damit haben Kohle, Wechselkurse, Gas und Verschmutzungsrechte, aber auch Wind, Sonneneinstrahlung und Kraftwerksausfälle entscheidenden Einfluss auf die Preise.

Die zugrundeliegenden Rohstoffmärkte führen immer wieder zu starken Preisschwankungen an den Strom-Termin- und Spotmärkten. Wird der Strombedarf für die nächsten Jahre zu einem einzigen Zeitpunkt am Markt gedeckt, so hat das einen mehr oder weniger zufälligen Strompreis zur Folge. Die Höhe des Strompreises ist dann vor allem davon abhängig, in welcher Marktphase die Beschaffung erfolgte.

Um das Risiko eines ungünstigen Beschaffungszeitpunktes zu vermeiden, empfiehlt sich eine zeitliche Verteilung. Durch die Streckung des Beschaffungszeitraumes werden Preisspitzen ausgeglichen und in langfristig steigenden Märkten kann man sich bereits frühzeitig Preisvorteile für zukünftige Lieferjahre sichern.

Der Lastgang als Basis für den Preis

Die Grundlage für die Strompreisermittlung leistungsgemessener Anlagen ist der Lastgang. Er bildet das individuelle Verbrauchsverhalten einer Verbrauchsstelle oder eines Kunden pro Viertelstunde im Jahresverlauf ab. Voraussetzung für ein Preisangebot ist ein Lastgang von wenigstens einem Jahr, weil nur so der zukünftige Verbrauch zuverlässig prognostizierbar ist.

Eine registrierende Leistungsmessung erfolgt üblicherweise ab einem Strom-Jahresverbrauch von 100.000 kWh und/oder einer maximalen Leistung von 30 kW. Unterhalb dieser Grenzwerte kommen sogenannte Standardlastprofile der lokalen Verteilungsnetzbetreiber in Verbindung mit einer reinen Verbrauchsmessung zur Anwendung. Daher erfordern Preisangebote für kleinere Verbrauchsstellen mit Standardlastprofil nur Informationen zum Verbrauch im letzten Jahr.

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