Hitze belastet das Stromnetz – das müssen Unternehmen wissen
Mehr Hitzetage, mehr Stromverbrauch, weniger Netzstabilität: Der Klimawandel verändert die Energiebedarfe in ganz Deutschland. Damit werden insbesondere Unternehmen vor neue Herausforderungen gestellt.
Was die steigende Anzahl an Hitzetagen für das Stromnetz und insbesondere Unternehmen bedeutet, beleuchten wir in diesem Artikel.
Versorgungssicherheit an Hitzetagen
Die Energiewende setzt auf Erneuerbare Energien – zurecht. Doch an heißen Tagen treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Steigende Nachfrage bei gleichzeitiger Volatilität der Erzeugung.
Netzbetreiber, Versorger und auch Unternehmen müssen zunehmend Strategien entwickeln, um diesen Belastungen systematisch begegnen zu können.
Warum Hitzetage zur Systemlast werden
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) hat sich die Zahl der Hitzetage in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. 2023 gab es in Teilen von NRW sogar über 25 Hitzetage.
In seiner aktuellen Bilanz für Ende Juni 2026 dokumentierte der DWD nun eine elf Tage andauernde, historische Hitzewelle (ca. 18. bis 29. Juni), die neue Rekorde brachte: Einen Allzeitrekord von 41,7 °C am Tag und eine tropische Rekordnacht von 29,4 °C.
Mit den Temperaturen steigen auch die Stromverbräuche – besonders durch Kühlung und Klimatisierung. Das Problem verschärft sich zunehmend, wenn es auch nachts warm bleibt: Durch hohe nächtliche Temperaturen fällt der gewohnte nächtliche Rückgang des Stromverbrauchs geringer aus. Kühlsysteme müssen oft im 24/7-Dauerbetrieb laufen, wodurch das Stromnetz und die Gebäudetechnik keinerlei Erholungspause mehr bekommen.
EHA-Praxisdaten aus NRW: über 38 % Mehrverbrauch an Hitzetagen
Unsere Auswertungen zeigen deutlich, wie stark sich Hitzetage auf den Stromverbrauch von Unternehmen auswirken:
Wir haben hierfür exemplarisch die Lastprofile unserer Kunden in den Zeiträumen 08. bis 14.06. und 22. bis 28.06.26 in Nordrhein-Westfalen analysiert und mit den Tagesdurchschnittstemperaturen in Köln verglichen.
An den besonders heißen Tagen von Donnerstag, 25.06. bis Sonntag 28.06. lagen die Durchschnittstemperaturen jeweils über 27,2 °C. Der Stromverbrauch war an diesen Tagen fast 35 % höher als an den Vergleichstagen, als die Temperaturen bei etwa 15 °C lagen.
In der Spitze lag der Mehrverbrauch am 28.06.26 – dem letzten Tag der Hitzewelle – sogar bei 38,8 %!
| Vergleichstage 2026 | Temperatur I | MWh I | Temperatur II | MWh II | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| 08.06. vs. 22.06. | 17,0°C | 3.722 | 25,1°C | 4.458 | 19,8% |
| 09.06. vs. 23.06. | 14,7°C | 3.623 | 23,6°C | 4.429 | 22,3% |
| 10.06. vs. 24.06. | 13,1°C | 3.558 | 26,3°C | 4.590 | 29,0% |
| 11.06. vs. 25.06. | 13,3°C | 3.557 | 28,8°C | 4.751 | 33,5% |
| 12.06. vs. 26.06. | 15,8°C | 3.695 | 30,1°C | 4.881 | 32,1% |
| 13.06. vs. 27.06. | 17,0°C | 3.516 | 30,4°C | 4.728 | 34,5% |
| 14.06. vs. 28.06. | 14,7°C | 2.021 | 27,2°C | 2.805 | 38,8% |
Hitzewelle sorgt für neuen Spitzenverbrauch
Was wir für unsere Kunden feststellen konnten, bestätigte beispielsweise auch der Verteilnetzbetreiber Mainova, der am 25. und 26. Juni 2026 einen historischen Rekord bei der sogenannten Tageshöchstlast – also der höchsten elektrischen Leistungsnachfrage innerhalb eines Tages – verzeichnete. Diese kletterte auf jeweils über 900 Megawatt. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag dieser Peak noch bei rund 850 MW, in den Jahren davor bei knapp über 800 MW.
Europa unter Hitzestress – Stromnetze am Limit
Auch andere Länder in Europa haben in aktuellen Hitzewellen massive Herausforderungen erlebt:
- In Italien kam es im Juli 2025 in Städten wie Florenz und Bergamo zu lokalen Stromausfällen – verursacht durch überlastete Netze und überhitzte Kabel.
- In Frankreich und der Schweiz mussten 2025 einige Kernkraftwerke ihre Leistung drosseln oder abschalten, da das zur Kühlung der Reaktoren genutzte Flusswasser zu warm war, um es ohne ökologische Risiken wieder in den Fluss zurückzuführen. Die Rückführung ist nur bis zu bestimmten Temperaturgrenzwerten erlaubt, um Schäden für Flora und Fauna zu vermeiden.
Wie sich Hitzewellen auf die europäischen Strompreise auswirken
Muss Frankreich wegen hitzebedingter Drosselungen der Atomkraftwerke (wie jüngst im Juni 2026) massiv Strom importieren, reißt dies eine Lücke in die europäische Versorgung. Trifft diese Situation zeitgleich auf eine sommerliche Windflaute in Deutschland, verknappt sich das Angebot deutlich. Am Spotmarkt (dem Marktplatz für kurzfristigen Stromhandel) greift dann das Merit-Order-Prinzip: Da teure fossile Spitzenlastkraftwerke einspringen müssen, bestimmt deren Preis das gesamte Preisniveau. Die Folge sind extreme Preispeaks. So lag der Strompreis am 24.06.26 in den Abendstunden kurzzeitig bei über 700 Euro pro Megawattstunde.
Verschiebung der Tageslast
An Hitzetagen verschiebt sich die Tageslast im Stromnetz spürbar: Statt wie üblich am Vormittag, liegt der Spitzenverbrauch zunehmend zwischen 14 und 18 Uhr.
Normaler Sommertag vs. Hitzetag
Hauptursache ist der Einsatz von Klimaanlagen und Kühltechnik in Gewerbe, Industrie und Privathaushalten in den heißen Nachmittagsstunden.
Diese Verschiebung kann aus unterschiedlichen Gründen problematisch für das Stromnetz sein:
- Die Netzbelastung steigt: Die gleichzeitige Last führt zu höherem Druck auf Verteilnetze.
- Solarerzeugung sinkt: Während der Verbrauch steigt, nimmt die PV-Leistung am späten Nachmittag bereits wieder ab.
Nebeneffekte sind:
- Kosten und Emissionen nehmen zu: Teure und CO₂-intensivere Spitzenlastkraftwerke müssen einspringen.
- Versorgungsrisiken wachsen: Insbesondere bei geringer Windkraft kann die Systemstabilität gefährdet sein – was im schlimmsten Falle zu Brown- oder sogar Blackouts führen kann.
Unternehmen besonders betroffen
Unternehmen mit energieintensiven Prozessen, hohem Kühlbedarf oder digitaler Infrastruktur stehen an Hitzetagen vor besonderen Herausforderungen:
- Supermärkte: Verbrauchsspitzen bis zu 30 % über dem Durchschnitt
- Rechenzentren: Hoher Grundlastverbrauch – unabhängig von Tageszeit
- Lebensmittelindustrie: Gesteigerter Kühlbedarf zur Produktsicherung
- Chemie und Pharma: Erhöhte Prozessanforderungen
- Produktionsanlagen: Thermisch bedingte Effizienzverluste
Zudem sind Unternehmen immer auch abhängig von der Versorgungssicherheit, auf die sie als einzelnes Unternehmen nur begrenzt Einfluss nehmen können.
Was Unternehmen jetzt tun sollten (Übersicht)
Um Risiken zu minimieren, Kosten zu senken und die Resilienz zu steigern, empfehlen wir folgende Maßnahmen:
Preisspitzen auslassen und hohe Festpreise vermeiden
Setzen Sie bei Ihrer Beschaffungsstrategie auf eine strukturierte Beschaffung. Dadurch sind Sie vor extremen Preispeaks an Hitzetagen geschützt, behalten aber genug Flexibilität, um von günstigen Marktphasen an der Börse zu profitieren.
Lastspitzen analysieren und verschieben
Identifizieren Sie Ihre Verbrauchsspitzen – z. B. mithilfe von Energiemonitoring – und verlagern Sie ‚Nicht-kritische‘ Prozesse in verbrauchsarme Zeiten.
Eigenversorgung und Speicherlösungen nutzen
PV-Anlagen und Batteriespeicher helfen, den Eigenverbrauch zu maximieren und das Netz gezielt zu entlasten.
Energetische Sanierung prüfen
Investitionen in moderne Gebäudetechnik, effizientere Kühlung und optimierte Lüftung wirken doppelt: Kostenersparnis und Netzentlastung.
Förderprogramme nutzen
- 19 StromNEV ermöglicht für Großverbraucher reduzierte Netzentgelte bei atypischer Netznutzung bzw. Lastprofilen – etwa bei nächtlicher Produktion oder gezielter Lastverlagerung.
- Auch BAFA-Fördermittel sind verfügbar – z. B. für Messtechnik und Steuerungssysteme.
Fazit: Hitze ist der neue Belastungstest
Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – und mit ihr neue Belastungen für Stromnetze, Preise und Infrastrukturen.
Unternehmen sind gut beraten, frühzeitig zu handeln. Denn wer vorbereitet ist, kann nicht nur Versorgungsrisiken senken, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken.
EHA unterstützt Sie dabei – mit Analyse, Beratung und in der Umsetzung. Wir freuen uns auf Sie!
Über EHA
Die EHA Energie-Handels-Gesellschaft ist der Energiedienstleister für Unternehmen mit vielen Standorten. Als verlässlicher Partner in allen Energiethemen bieten wir ein breites Spektrum an Services und Mehrwerten, die immer genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind.