Hitzewelle und Strompreise – was können Unternehmen tun?

Die Sommerhitze in Deutschland hatte unangenehme Auswirkungen nicht nur für die Landwirtschaft. Als Herausforderung erwies sich die lang andauernde Hitzeperiode auch für die Stromversorger. In der Folge kam es zu einer deutlichen Steigerung der Stromkosten. Eine langfristige Beschaffungsstrategie schützt jedoch Unternehmen vor unberechenbarem Wetter.

Hitzewelle und Strompreise
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Die Hitze ist abgeklungen und der Herbst im Anmarsch. Nachwirkungen hat das heiße Wetter allerdings bei der Stromrechnung vieler Unternehmen, denn die hohen Temperaturen wirkten auf die Preise. Während Kühlanlagen etc. den Verbrauch steigerten, verknappte sich zugleich das Angebot. Manche Atom- und Kohlekraftwerke mussten ihre Stromproduktion wegen der Wärme verringern oder sogar einstellen. Wegen des stark aufgewärmten Flusswassers durften die Kraftwerke aufgrund von Umweltauflagen nicht mehr die üblichen Kühlwassermengen einleiten. Ein weiteres Problem war der niedrige Wasserstand der Flüsse, der die Anlieferung von Kohle per Schiff behinderte. Um die so verursachten Ausfälle bei der Stromproduktion zumindest teilweise zu kompensieren, mussten ältere, teure Kraftwerke ans Netz gehen.

Erneuerbare Energien mit stabiler Stromproduktion

Nicht betroffen von dem extremen Wetter war die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die größten Beiträge leisteten fast zu gleichen Teilen Solar- und Windenergie. Letztere lag mit ihrem Produktionsvolumen 2018 auf dem Niveau der Vorjahre. Die Photovoltaik profitierte von reichlich Sonnenschein. Trotzdem können die Erneuerbaren die oben beschriebenen Effekte nicht ausgleichen, weil sie „nur“ circa 40 Prozent der gesamten Stromproduktion ausmachen.

Das verknappte Stromangebot spiegelte sich in den Großhandelspreisen. Der kurzfristig benötigte Strom wurde auf dem Spotmarkt der Leipziger Strombörse EEX zu Höchstpreisen gehandelt. Von Mai bis Juni stieg der Durchschnittswert um gut ein Viertel. Im Juli kamen noch einmal siebzehn Prozent dazu und die dann erreichten 4,9543 Cent/kWh lagen um die Hälfte höher als im Vorjahresmonat. Aktuell (01.-16.September) werden im Durchschnitt sogar 5,9868 Cent/kWh verlangt.

Die hohen Strompreise am Spotmarkt haben darüber hinaus eine Signalwirkung für den Terminmarkt, wo die längerfristigen Stromeinkäufe getätigt werden. Auf dem Terminmarkt werden letztlich die Erwartungen für die Spotpreise in zukünftigen Lieferjahren gehandelt. Eine ähnliche Hitze- und Trockenperiode im nächsten Sommer ist zwar unwahrscheinlich, für die Händler ist diese Möglichkeit aber gerade sehr präsent und dementsprechend eingepreist.

Schwer zu kalkulieren: Der Faktor Wetter

Klimaforscher prophezeien, dass wir in Deutschland zukünftig häufiger Sommer mit lang anhaltenden Hitze- und Trockenperioden erleben werden mit entsprechenden Auswirkungen auf den Strompreis. Grundsätzlich hat das Wetter einen großen Einfluss auf den Energiehandel. Das gilt insbesondere auch für die erneuerbaren Energien, die immer mehr zur Versorgung beitragen. Kommt der Wind zum Erliegen, stoppt auch die Stromproduktion aus diesen Anlagen und die Photovoltaik ist auf Sonnenschein angewiesen.

Direkte Effekte auf unsere Strompreise können aber genauso Extremwetterlagen in weit entfernten Weltregionen haben. Wenn zum Beispiel Überschwemmungen den Kohlebergbau in China beeinträchtigen, hat das sofort Einfluss auf die Strompreise am Großhandelsmarkt, da diese wesentlich von den Kohlepreisen beeinflusst werden.

Teuerung vor allem durch CO2-Zertifikate

Das Wetter ist jedoch nur einer von vielen Faktoren, die aktuell zu einer deutlichen Preissteigerung beim Strom geführt haben. Ein Treiber sind die Rohstoffpreise für Öl bzw. Gas und Steinkohle. Öl erhöhte sich in der Spitze bis Anfang September binnen eines Jahres um rund 60%, Gas um 64% und Steinkohle um 41%. Der Hauptgrund aber sind die CO2-Zertifikate, die die Kohle- und Gaskraftwerke kaufen müssen, um das klimaschädliche Kohlendioxid ausstoßen zu dürfen. Seit Jahresbeginn ist der Preis für die Emissionszertifikate um zwischenzeitlich bis zu 239 Prozent gestiegen. Der steile Anstieg ist begründet mit einer Entscheidung der EU-Kommission. Sie will die Menge der Zertifikate von 2021 an um 2,2 Prozent verringern. Außerdem hat sich Brüssel vorbehalten, ab Anfang 2019 bis zu einem Viertel der Verschmutzungsrechte vom Markt zu nehmen, um die Preise zu stabilisieren. Spekulanten sammeln nun Zertifikate in der Hoffnung auf spätere Gewinne, was wiederum preissteigernd wirkt.

Moderate Auswirkungen für EHA-Kunden

Unternehmen, die von der EHA mit Strom versorgt werden, kommen vergleichsweise glimpflich davon. Durch die langfristigen Beschaffungsstrategien von EHA wurde ein Teil des Strombedarfs zu weitaus günstigeren Konditionen eingedeckt. Typischerweise kauft EHA das Gros der Strommenge bis zu drei Jahre im Voraus ein. Am kurzfristigen Spotmarkt werden auf Kundenwunsch maximal 25 Prozent der Verbrauchsmenge beschafft. Dieses Einkaufs- Modell reduziert die Preisrisiken, wie zum Beispiel die Auswirkungen einer extremen Hitzewelle.

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