Jan-Oliver Heidrich: Die Energiewirtschaft braucht ein neues Marktdesign

Jan-Oliver Heidrich: Die Energiewirtschaft braucht ein neues Marktdesign
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Der Ukraine-Krieg bringt eine neue Dynamik in die Umsetzung der Energiewende. Der EHA-Geschäftsführer und Vorsitzende des Energieausschuss beim Handelsverband Deutschland (HDE) Jan-Oliver Heidrich formuliert seine Einschätzungen und seine persönlichen Wünsche für die Energiewirtschaft im Jahr 2022.

Der Krieg in der Ukraine verschärft die ohnehin schon angespannte Lage auf dem deutschen Energiemarkt. Die Strompreise schnellen in ungeahnte Höhen und erweisen sich als gewaltige Belastung für Unternehmen. Daher besteht unverzüglicher Handlungsbedarf für die Politik. Kurzfristige Hilfe versprechen allein die Deckelung des Energiepreises sowie ein Aussetzen des CO2-Preises als zeitlich befristete Maßnahmen. Damit ließe sich der Strompreis vermutlich halbieren. Solche außerordentlichen Eingriffe des Staates rechtfertigt ein aktuell dysfunktionaler Markt – die Strompreise entsprechen aktuell in keiner Weise den tatsächlichen Erzeugungskosten.

Jan-Oliver Heidrich, EHA Geschäftsführer und Vorsitzender des Energieausschusses beim Handelsverband Deutschland (HDE).

Über die durch den Ukraine-Krieg verursachte Krise hinaus verlangt unsere Energiewirtschaft ein neues Marktdesign. Ohne einen regulatorischen Rahmen ist der Kohleausstieg bis 2030 nicht zu schaffen. Zu viele Aspekte sind noch unklar. Wie wird die Energie zukünftig bepreist? Wird überschüssiger Strom weiterhin vergütet? Die EEG-Umlage ist schon bald Geschichte und kann dann keine Orientierungshilfe mehr leisten. Aktuell führt die preissetzende Wirkung von Gas auf dem Energiemarkt zu Kostenexplosionen – da wünsche ich mir eine Lösung. Auch gilt es zu vermeiden, dass zukünftig im Extremfall große Anlagen vom Netz genommen werden müssen.

Die Mammutaufgabe Energiewende lässt sich nur mit Hilfe einer konsistenten Energiepolitik bewältigen. Leider erleben wir aktuell, wie Politik und Energiewirtschaft viele widersprüchliche Ansätze verfolgen und so die notwendigen Umgestaltungen zumindest verzögern.

Ausbau mit Augenmaß

Die Ausbauziele der Erneuerbaren Energien sollten mit Augenmaß gesetzt werden. Bei Photovoltaik-Anlagen zum Beispiel kommt es auf eine bedarfsorientierte Planung mit Blick auf die betriebliche Praxis an. Was hier zählt ist der tatsächliche Verbrauch einer Anlage und nicht ein errechneter Wert, der aufgrund der Dachfläche zugewiesen wurde.

Grundsätzlich ist ein vernünftiger Einsatz von Anlagen und Erzeugungsmitteln verlangt. Der Ausbau muss den Bedürfnissen der Kunden und Verbraucher entsprechend gestaltet werden.

Und, eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Für die Investoren muss sich das Engagement wirtschaftlich lohnen, denn sie sind letztendlich die treibenden Kräfte des Ausbaus. Die Unternehmen wissen dank ihrer Praxiserfahrungen, anders als viele Forschungsinstitute, welche Zielvorgaben realistisch sind.

Der Staat als Planer der Energiewende ist also in der Pflicht, real umsetzbare und lohnenswerte Ausbauziele vorzugeben. Tatsächlich wird die Komplexität der Energiewirtschaft von Seiten der Politik oft unterschätzt. Überschätzt wird hingegen die Bereitschaft zu Investitionen. Die Unternehmen scheuen auch wirtschaftlich lohnenswerte Investments, wenn diese mit ihrem Kerngeschäft nichts zu tun haben.

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