„Klimaschutz muss mit unternehmerischen Zielen vereinbar sein“ - Das Experteninterview mit Ernst Panse von DER MITTELSTANDSVERBUND ZGV e.V.

DER MITTELSTANDSVERBUND – ZGV e.V. vertritt als Spitzenverband der deutschen Wirtschaft in Berlin und Brüssel die Interessen von circa 230.000 mittelständischen Unternehmen, die in rund 310 Verbundgruppen aus rund 45 Branchen organisiert sind.

Klimaschutz im Mittelstand
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Ernst Panse ist Leiter Klima und Energie beim MITTELSTANDSVERBUND. Dem EHA Redaktionsteam beantwortet Ernst Panse einige Fragen zum Thema Klimaschutz und Energieeffizienz im deutschen Mittelstand.

„Was Einer alleine nicht schafft, das schaffen Viele“ - Taugt das Kooperationsprinzip auch für den Klimaschutz?

Auch im Bereich des Klimaschutzes gilt dieses Prinzip, ja! Aber meiner Ansicht nach in etwas abgewandelter Form: Ein kleines Unternehmen wird den Klimawandel nicht allein aufhalten können. Aber jeder, und eben auch jeder Unternehmer und jede Unternehmerin, kann – vielleicht sogar muss – seinen oder ihren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Dazu bedarf es aber eines Umfeldes, das es Unternehmen besser ermöglicht, ihren Beitrag zu leisten. Umwelt- und Klimaschutz müssen mit unternehmerischen Zielen vereinbar sein.

Profilbild zu: Ernst Panse

Über Ernst Panse

Ernst Panse ist seit 2016 Leiter Klima und Energie beim Mittelstandsverbund. Hier sind Unternehmen aus rund 45 Branchen wie Einzelhandel, Großhandel oder Handwerk und aus den Bereichen Dienstleistungen, Hotellerie und Gesundheit organisiert.
Bildquelle: Der Mittelstandsverbund

Umwelt- und Klimaschutz vereinbar mit unternehmerischen Zielen – Was meinen Sie damit?

Das bedeutet für mich: Geht es den Unternehmen gut, stimmen Umsätze und Erträge, dann bleibt auch Zeit und Muße, sich mit Themen außerhalb des Tagesgeschäfts – wie etwa dem Klimaschutz – auseinanderzusetzten. Und dazu kann jede noch so kleine Betriebseinheit etwas beitragen. Und am Ende können alle zusammen mithelfen, unseren Planten lebenswert für die kommenden Generationen zu erhalten.

Verbundgruppen arbeiten für mehr Wirtschaftlichkeit in immer mehr Bereichen zusammen. Welche Bedeutung hat der Sektor Energieeffizienz und Klimaschutz?

Oftmals fehlt es gerade den kleinen und mittleren Verbundgruppen – dem Mittelstand also, sowie deren Anschlussunternehmen an den entsprechenden Ressourcen, sich mit den bedeutsamen Themenbereichen Energieeffizienz und Klimaschutz zu beschäftigen. Gerade hier setzen wir als Verband an und entwickeln gemeinsam mit unseren Mitgliedern Ideen für die Kooperation. Wir verstehen uns dabei als ein Bindeglied und versuchen, die Akteure zu vernetzen – beispielsweise indem wir im Zuge von Veranstaltungen und Initiativen Impulse setzen.

Welche Initiativen des Mittelstandverbunds zur Energieeffizienz oder zum Klimaschutz gibt es?

Der Initiativkreis Plastik und die Mobilitätstage sind nur zwei Angebote, die wir als Mittelstandsverbund machen. Im Initiativkreis Plastik stellen wir unter anderem Alternativen zu konventionellem Plastik vor, diskutieren mit der Politik und geben Hilfestellung in diesem brandaktuellen Themenkomplex. Bei den Mobilitätstagen bringen wir innovative und praxistaugliche Lösungen hin zu den Business-Endkunden der Verbundgruppen und ihren Anschlusshäuser. Wir zeigen auf, wie sich die Mobilität in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung verändern wird oder bereits verändert hat.

Erkennen Sie derzeit Entwicklungen auf dem Gebiet der Energieeffizienz mit besonderer Relevanz für Verbundgruppen?

Die Digitalisierung nimmt auch im Bereich der Energie und Energieeffizienz rasant zu. Nicht zuletzt getrieben durch gesetzliche Vorgaben – wie etwa dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Zukünftig werden Smart Meter die analogen Stromzähler größtenteils ersetzen. Dies sehe ich als eine Chance für Verbundgruppen. Möglicherweise können die Verbünde zukünftig Leistungen – wie etwa den Einkauf von Energie – zielgerichteter für die Anschlusshäuser generieren und Preisvorteile heben. Zudem bleibt nach wie vor gerade für energieintensive Branchen die Steigerung der Energieeffizienz prioritär.

In den vergangenen Monaten hat der Strompreis stark angezogen. Jeder, der in den letzten Jahren durch die Steigerung der Effizienz seinen Energiebedarf reduziert hat, profitiert heute im Besonderen. Unterstützen Verbünde die Anschlusshäuser hierbei und bringen sie sich selber in eine gute Ausgangslage, kann dies nur ein Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit sein. Aber auch hier ist die Politik gefordert.

Können Sie ein Beispiel für diese Forderung nennen?

Förderungen für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen müssen planbar, stetig und unbürokratisch abrufbar ausgestaltet werden. Das Wirrwarr zwischen Bundes- und Landesmitteln, Förderkrediten und verlorenen Zuschüssen ist unglücklich und sollte unbedingt angepackt und vereinfacht werden. Warum bündelt man nicht in einem Ministerium oder in einer Bundesanstalt alle öffentlichen Förderungen und schafft so einen zentralen Ansprechpartner? Gerade für den Mittelstand, also kleine und mittlere Unternehmen kann so die Detektion und die Antragstellung entscheidend vereinfacht werden.“

Im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“ will DER MITTELSTANDSVERBUND 8.200 Tonnen CO2 einsparen und fördert dafür Unternehmen aus den Pilotbranchen Apotheken, Bäckereien, Fleischereien, Kfz-Werkstätten und Friseure. Warum wurden ausgerechnet diese fünf Branchen ausgewählt?

Mit dem durch das Bundesumweltministerium im Zuge der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderten Vorhaben möchten wir die CO2- Einsparziele der Regierung unterstützen. Wir sind kurz vor dem Ziel: Bis Ende 2019 schließen wir das Projekt ab und bereits heute ist abzusehen, dass wir die Reduktionsziele nicht nur erreichen, sondern voraussichtlich sogar übertreffen werden. Die Auswahl der Branchen wurde in Zusammenarbeit mit dem Fördermittelgeber durchgeführt. Hierbei spielten diverse Kriterien eine Rolle – beispielsweise das Einsparpotential an CO2-Emissionen, die Anzahl an potentiell teilnehmenden Unternehmen oder das Angebot anderer Förderungen.“

DER MITTELSTANDSVERBUND zeichnet jedes Jahr seine Mitglieder mit dem Kreativpreis aus. Wann wird das beste Energieffizienz und Klimaschutz Konzept gesucht?

Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Im kommenden Jahr! Genauer gesagt wird unter dem Dachthema „NETZWERK IN GRÜN – RESSOURCENSCHUTZ IM VERBUND“ das beste Konzept zur Nachhaltigkeit gesucht. Wir freuen uns auf viele spannende Einreichungen – am 7. Mai 2020 werden im Rahmen der PEAK-Abendveranstaltung die aus dem Kreis der Einsendungen ausgewählten Nominierten vorgestellt und der Gewinner mit dem Kreativpreis gekürt. Und: Erfahrungsgemäß sind unsere Mitglieder und deren Anschlusshäuser sehr kreativ. Ich nutze gerne die Gelegenheit und rufe bereits heute Unternehmen zur Teilnahme am Kreativpreis auf. Melden Sie sich gerne hier.

In Deutschland wird derzeit intensiv über die Einführung eines CO2-Preises als zusätzliches Lenkungsinstrument für mehr Klimaschutz diskutiert. Welche Position vertritt DER MITTELSTANDSVERBUND?

Die EEG-Umlage war von Anfang an ein den Mittelstand benachteiligendes Instrument zur Finanzierung der Energiewende. Es sollte eine sachgerechte Alternative geben, wie etwa eine CO2-Bepreisung, die wettbewerbsgerecht und wirksam ist und die Unternehmen nicht mit Bürokratie belastet. Ein nationaler CO2-Preis darf aber nicht zu Mehrbelastungen für mittelständische Unternehmen und private Haushalte in Deutschland führen. Die aktuell zur Verfügung stehenden Instrumente für die Zielerreichung sind nicht ausreichend und zu kostenintensiv.

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