„Mehr Energieeffizienz in den Standorten wirkt dem Kostendruck entgegen“ - Das Experteninterview mit Stefan Hinz, Logistik-Initiative Hamburg

Die Logistik-Initiative Hamburg e.V. (LIHH) ist mit mehr als 550 Mitgliedsunternehmen und -institutionen das größte Standortnetzwerk der Branche in Deutschland.

Mehr Energieeffizienz in den Standorten wirkt dem Kostendruck entgegen
Bildquelle: GettyImages

Stefan Hinz leitet bei der LIHH den Arbeitskreis „Nachhaltigkeit in der Logistik“ und hat uns einige Fragen beantwortet.

Die LIHH hat zur Unterstützung der Hamburger Logistikunternehmen die Nachhaltigkeit schon 2008 als Haupthandlungsfeld bestimmt. Was hat sich seitdem in der Branche getan? Welchen Stellenwert hat nachhaltiges Wirtschaften heute?

Seit damals hat es enorme Veränderungen gegeben. In 2008 war Nachhaltigkeit für viele Unternehmen Neuland und wurde gleichgesetzt mit dem betrieblichen Umweltschutz, der als häufig mit Mehrkosten verbundener Hygienefaktor gesehen wurde. Themen wie Abfalltrennung, Wasser sparen, Papierverbrauch reduzieren etc. standen im Vordergrund.

Heute verfolgen zahlreiche Betriebe einen ganzheitlichen Ansatz von Ökonomie, Ökologie und sozialen Aspekten und sie haben den mannigfaltigen Nutzen eines nachhaltigen Wirtschaftens erkannt. Konkret gibt es viele Unternehmen, die sich sowohl bei ökologischen als auch bei sozialen Aspekten Ziele gesetzt haben, die aus ihrer Perspektive letztendlich auch wirtschaftlich lohnend sind. Die Logistikbranche hat sich also extrem weiterentwickelt und professionalisiert.

Profilbild zu: Stefan Hinz

Über Stefan Hinz

Stefan Hinz ist Teamleiter im Bereich Nachhaltigkeit bei der ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG. Darüber hinaus leitet er den Arbeitskreis "Nachhaltigkeit in der Logistik" der Logistik-Initiative Hamburg e.V.

Stichwort Ökologische Logistik: Was sind Beispiele für branchenrelevante Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit?

  • Bei Logistikgebäuden wird immer stärker auf Energieeffizienz geachtet. Die Implementierung von Energiemanagementsystemen ist heute bei Neubauten Standard und viele Bestandsimmobilien werden nachgerüstet, weil die Unternehmen die Einsparpotentiale erkannt haben.
  • Bei den Transporten auf der Straße steigt die Bedeutung alternativer Antriebe. Hier gibt es großen Handlungsdruck aufgrund der Fahrverbote in Innenstädten und der Diskussion um den Dieselmotor.
  • Ein weiterer Trend ist, dass die „Letzte Meile“ näher an den Kunden rückt. Die Paketdienste platzieren ihre Zustelldepots innerstädtisch, um die Wege abzukürzen und alternative umweltfreundliche Zustelloptionen z. B. mit dem Lastenrad zu ermöglichen.

In der Logistikbranche finden sich häufig historisch gewachsene Immobilien ohne Energiekonzept. Die Gebäude sind daher ein zentraler Ansatzpunkt zur Steigerung der Energieeffizienz. Was leisten Ihre Mitgliedsunternehmen in diesem Bereich?

Wegen der Anforderungen des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) haben viele Unternehmen begonnen, sich systematisch und professionell unterstützt mit den Energieeinsparpotentialen ihrer Immobilien zu beschäftigen. Die Ansatzpunkte sind individuell sehr unterschiedlich, sie liegen meist eher bei den Elektroinstallationen als im Wärmebereich. Etliche Mitglieder der Logistik-Initiative Hamburg haben LED Nachrüstungen umgesetzt, weil sich diese Investitionen schnell rechnen. Die Energieeinsparungen sind beträchtlich.

Die LIHH verleiht jährlich den Hanse Globe, einen Preis für nachhaltige Logistik. Gab es dafür auch schon Bewerbungen aus dem Bereich der gebäudebezogenen Energieeffizienz?

In den Bewerbungsbeiträgen für den Hanse Globe war die gebäudebezogene Energieeffizienz von Anfang an ein wichtiges Thema. Inzwischen sind ganzheitliche Ansätze vorherrschend, die Standorte und Transportprozesse gleichermaßen berücksichtigen. Das ist auch ein Beleg für die Professionalisierung der Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit, die ja allumfassendes Vorgehen verlangt.

Nachhaltigkeit verbessert die Wettbewerbsfähigkeit von Logistikunternehmen. Für Logistiker bedeutet eine effiziente Energienutzung in den Lagerhallen Kostenreduzierungen und eine Verbesserung der CO2-Bilanz. Was ist das wichtigere Argument? Die Kostenersparnisse oder die Erfüllung der Kundenwünsche nach klimaneutraler Supply Chain?

Grundsätzlich kommt es auf beide Aspekte an. Mehr Energieeffizienz in den Standorten wirkt dem stetig steigenden Kostendruck entgegen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Letzteres gilt auch für die klimaneutrale Supply Chain. Nachhaltiges Wirtschaften wird auch für die Logistik von immer größerer Bedeutung.

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