Netzentgelte Strom – die Basis für das Stromnetz

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Damit der Strom vom Produzenten zum Verbraucher gelangen kann, bedarf es eines funktionierenden Stromnetzes. Damit dies gewährleistet werden kann, wird eine Art Gebühr für die Nutzung des Stromnetzes erhoben.

Das Netznutzungsentgelt, oder in Kurzform: Netzentgelt.

Das Stromnetz als Bestandteil des Strommarktes

Für den Strommarkt in Deutschland ist das Stromnetz ein elementarer Bestandteil.

Betrieben wird das Stromnetz von vier Übertragungsnetzbetreibern, die für die überregionale Verteilung des Stroms zuständig sind, aufgeteilt in vier Gebiete: den Norden, den Osten, den Süden und den Westen.

Zusätzlich gibt es in Deutschland rund 800 Verteilnetzbetreiber, auch Verteilernetzbetreiber genannt, die für die regionale Verteilung verantwortlich sind.

Gut zu wissen: Viele Standorte, viele Messstellenbetreiber?!

Die Verteilnetzbetreiber sind meist gleichzeitig auch die sogenannten grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB), die für den Messstellenbetrieb im örtlichen Netzgebiet verantwortlich sind.

Befinden sich Standorte oder Filialen in verschiedenen Netzgebieten, bedeutet dies, dass es für unterschiedliche Standorte auch unterschiedliche grundzuständige Messstellenbetreiber und damit unterschiedliche Ansprechpartner gibt. Das erschwert häufig den Überblick über Zuständigkeiten, Abrechnungen und Umbauten.

Als filialisiertes Unternehmen können Sie unkompliziert zu einem wettbewerblichen Messstellenbetreiber wechseln und davon profitieren, nur noch einen Ansprechpartner zu haben.

Erfahren Sie im Beitrag zum Messstellenbetrieb und wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) wie ein Wechsel zu uns als wMSB Ihre Energieabrechnung und Datenprozesse deutlich vereinfachen kann.

Netzentgelte decken Kosten für Netzinfrastruktur

Netzentgelte werden erhoben, um die Kosten zu decken, die den Netzbetreibern aus der Bereitstellung der Netzinfrastruktur und dem Betrieb der Netze entstehen. Hierzu gehören zum Beispiel die Wartung und Instandhaltung des Netzes.

Dies kann man sich vorstellen wie erhobene Steuern, die für die Instandhaltung von Straßen oder Autobahnen eingesetzt werden.

Netzentgelte – Erhebung und Umlage auf Endverbraucher

Die Netzbetreiber können die Kosten, die für den Betrieb des Stromnetzes anfallen, den Stromanbietern anteilig in Rechnung stellen. Die Stromanbieter wiederum legen diese Kosten über den Strompreis, mit der Stromrechnung, auf die Endverbraucher um.

Wie hoch die Netznutzungsentgelte sind, richtet sich nach dem Netzgebiet des zuständigen Netzbetreibers.

Für die Netzbetreiber besteht eine Veröffentlichungspflicht ihrer Entgelte im Internet.

Höhe der Netzentgelte

Mit Blick auf die Höhe der Netzentgelte muss zwischen den Übertragungsnetzbetreibern und den Verteilnetzbetreibern unterschieden werden.

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Verteilnetzbetreiber (VNB)
Netzentgelte sind seit 2023 bundeseinheitlich festgelegt. Netzentgelte sind regional unterschiedlich, abhängig von Netzstruktur, Verbrauchsdichte und Investitionsbedarf.

Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber

Für das Jahr 2025 wurden die Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber, die seit 2023 vereinheitlicht sind, auf durchschnittlich 6,65 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Das gaben die Übertragungsnetzbetreiber im bundeseinheitlichen Preisblatt für 2025 bekannt.

Begründet wurde die erneute Erhöhung durch steigende Kosten, um die Netzstabilität sicherzustellen, und die weiterhin notwendigen Investitionen in den Netzausbau.

Je nach angeschlossener Spannungsebene und der Benutzungsstundendauer kann dabei die Höhe der Netzentgelte variieren.

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Vorläufige Netzentgelte für 2026

Die Übertragungsnetzbetreiber haben Anfang Oktober 2025 die vorläufigen bundeseinheitlichen Netzentgelte für 2026 veröffentlicht, die deutlich niedriger ausfallen als noch 2025. Grundlage ist ein Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), der das Netzentgelt um rund 57% auf 2,86 ct/kWh senkt. Am 21.11.2025 hat der Bundesrat die Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz abschließend gebilligt.

Entwicklung der Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber

2023 2024 2025 2026
3,12 Cent / KWh 6,43 Cent / KWh 6,65 Cent / KWh 2,86 Cent / KWh

Netzentgelte der Verteilnetzbetreiber

Die Höhe der Netzentgelte der Verteilnetzbetreiber unterscheiden sich innerhalb von Deutschland aktuell noch deutlich.

Vereinfacht gesagt: Je höher die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Netze in bestimmten Regionen, desto höher sind auch die erhobenen Netzentgelte in diesen Regionen – wie auf den von der Bundesnetzagentur bereitgestellten Visualisierungen deutlich wird:

Verteilung der Netzentgelte für Gewerbekunden in Deutschland, 2024

Netzentgelte für Gewerbe in Deutschland

Strom-Netzentgelte von Netzbetreibern in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur für gewerbliche Verbraucher mittlerer Größe mit einem Verbrauch von 50 MWh im Jahr, Quelle: Bundesnetzagentur

Die dargestellten Unterschiede bei den Netzentgelten für Gewerbekunden gelten für Industriekunden (Abnahmefall 24GWh/Jahr) ebenso, auch wenn hier die Netzentgelte pro kWh geringer ausfallen.

Verteilung der Netzentgelte für Industriekunden in Deutschland, 2024

Netzentgelte für Industriekunden in Deutschland

Strom-Netzentgelte von Netzbetreibern in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur für gewerbliche Großverbraucher mit einem Verbrauch von 24GWh im Jahr, Quelle: Bundesnetzagentur

Besonders hoch sind die Netzentgelte grundsätzlich in Regionen, in denen hohe Investitionen für erneuerbare Energien getätigt wurden, wie beispielsweise der Bau von Windkraftanlagen. Dies gilt u. a. für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Damit der dort erzeugte Strom auch ins Netz eingespeist werden kann, bedarf es kostenintensiver Umbaumaßnahmen des Stromnetzes, die sich unmittelbar auf die Netzentgelte auswirken.

Auch in Regionen, in denen eine hohe Lastdichte – also eine starke Nachfrage – und/oder eine geringe lokale Erzeugung aus erneuerbaren Energien besteht, fallen die Netzentgelte in der Regel höher aus.

Auswirkungen der Netzentgelte für Multi-Site-Unternehmen

Für Unternehmen mit mehreren Standorten stellen die regional unterschiedlichen Netzentgelte eine echte Herausforderung dar. Je nach Netzgebiet variieren die Stromnebenkosten teils deutlich – mit spürbaren Auswirkungen auf Budgetplanung und Standortvergleich.

Eine zentrale Energiedatenanalyse und strukturierte Beschaffung, wie wir sie unseren Kunden bieten, helfen, diese Unterschiede zu erkennen und gezielt zu steuern.

Angleichung der Netzentgelte ab 2025

Um die Belastung durch die kostenintensiven Umbaumaßnahmen im Rahmen der Energiewende bundesweit solidarischer zu verteilen (die Erneuerbare-Energien-Netzkostenverteilung), hat die Bundesnetzagentur im August 2024 entschieden, dass es ab 2025 eine „faire Verteilung von Netzkosten aus der Integration Erneuerbarer Energien“ geben wird.

Das Grundprinzip: Verteilnetzbetreiber mit besonders hohen Kosten durch den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung erhalten einen finanziellen Ausgleich für die Mehrbelastung, wodurch sie ihre Netzentgelte senken können, was sich positiv auf die Strompreise auswirkt.

Die Entlastung wird finanziert durch die Stromnetzentgeltverordnung bzw. die StromNEV-Umlage, die dafür 2025 auf 1,558 ct/kWh erhöht wurde und 2026 mit 1,559 ct/kWh stabil bleibt. 70 Prozent der Umlage entfallen dabei auf die Kosten der EE-Netzkostenverteilung.

Auswirkungen auf den Strompreis

Wie sich die Regelung auf die Strompreise ausgewirkt hat, hing von der individuellen Verbrauchssituation und dem Standort ab.

Sobald die sinkenden Netzentgelten die erhöhte StromNEV-Umlage kompensiert oder sogar übertroffen hat, führte dies zu einer Senkung des Gesamtstrompreises. In anderen Regionen sind die Gesamtkosten jedoch gestiegen.

Kritik an der Neuregelung der Netzentgelte

Diese Neuregelung der Netzentgelte stellt allerdings auch keine für alle Seiten gerechte Lösung dar, sagt Jan-Oliver Heidrich, Energieexperte und Geschäftsführer bei EHA. Denn die Nutzung des Netzes wird somit weiterhin nur von den Verbrauchern getragen. Die Diskussion sollte in der Gesamtheit und verursachergerecht betrachtet werden. Ein faires Modell nimmt nicht nur Verbraucher, sondern auch sogenannte Prosumer, also Verbraucher mit eigenen PV-Anlagen, in die Pflicht.

Warum das aktuelle System der Netzentgelte an seine Grenzen stößt und welche Modelle für eine gerechtere Verteilung künftig denkbar sind, erfahren Sie im Beitrag „Reform der Netzentgelte: Warum das aktuelle System nicht mehr passt“.

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Das EHA Redaktionsteam vereint Fachwissen aus Energiepraxis, Marktbeobachtung und Regulierung sowie Erfahrung in Energiedatenanalyse, Beratung und der verständlichen Aufbereitung komplexer Energiethemen.

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