Strommix in Deutschland: Die Erneuerbaren auf Rekordkurs

Im Sektor Strom ist die Energiewende auf einem guten Weg. Während des ersten Halbjahrs 2017 stieg der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen im Strommix Deutschland auf den Rekordwert von 37,8 Prozent. Insgesamt betrachtet, also auch mit Blick auf Wärme und Verkehr, ist die Entwicklung der Erneuerbaren Energien hierzulande allerdings gehörig unter Verzug.

Handel am Strommarkt

Der Begriff Strommix bezeichnet die anteilige Zusammensetzung des in Deutschland erzeugten Stroms nach Energiequellen (erneuerbare und konventionelle Energieträger). Seit einigen Jahren verschiebt sich der Mix zugunsten der Erneuerbaren. Hintergrund ist die Energiewende und der damit beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 sowie die gewünschte Steigerung der Erzeugung von regenerativen Energien.

Ihren Beitrag zur Stromversorgung leisten Kohle, Atomkraft, Erdgas und regenerative Energiequellen. In Deutschland wird noch immer der größte Teil der elektrischen Energie aus Kohle gewonnen. Das Problem bei der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe ist deren begrenzte Verfügbarkeit und die Klimaschädlichkeit durch den CO2-Ausstoß. Einen weiteren großen Teil der Stromerzeugung bestreiten nach wie vor die Atomkraftwerke.

Umweltfreundliche Stromerzeugung seit Jahren auf dem Vormarsch

Zu den erneuerbaren Stromquellen gehören in dieser Reihenfolge Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse. Ihr Anteil im deutschen Strommix wird immer größer und hat sich seit 1990 mehr als verachtfacht. Im Strommix Deutschland 2016 waren bereits 29,5 Prozent erneuerbare Energien enthalten. Als zweitwichtigste Stromquelle folgte die Braunkohle (2016: 23,1 Prozent, 1990: 31,1 Prozent). Besonders stark an Bedeutung verloren hat die Atomkraft. Ihr Anteil lag 2016 noch bei 13,1 Prozent, das ist weniger als die Hälfte als vor 25 Jahren. Zuwächse verbuchte allerdings auch die Stromerzeugung aus dem fossilen Brennstoff Erdgas (1990: 6,5 Prozent, 2016: 12,1 Prozent).

Ein Nachteil der erneuerbaren Stromquellen sind die durch Jahreszeiten und wechselnde Wetterbedingungen verursachten Schwankungen bei der Produktion. Ihr Ausbau ist teuer und der Wirkungsgrad vergleichsweise gering. Dennoch führt angesichts der Verknappung fossiler Brennstoffe und des Klimawandels kein Weg an der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien vorbei.

Der Strommix 2017: Fast 38 Prozent aus Erneuerbaren

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat nun Daten zur Stromerzeugung für das erste Halbjahr 2017 veröffentlicht. Demnach konnte gegenüber dem Vorjahr 10,3 Prozent mehr sauberer Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden. Steinkohle und Kernenergie haben Anteile verloren. Gas und Braunkohle legten allerdings ebenfalls zu.

Demnach speisten Photovoltaikanlagen in der ersten Jahreshälfte 2017 etwa 21 TWh in das öffentliche Netz ein. Die Produktion hat sich somit gegenüber dem Vorjahr um circa 1,9 TWh bzw. 10,1 Prozent erhöht. Der maximale Anteil der Solarenergie an der gesamten Tagesenergie aller Stromquellen lag zum Beispiel am 27.05. bei 20,2 Prozent. Im Mai insgesamt war die monatliche Stromerzeugung von PV-Anlagen mit 5,57 TWh auf dem Niveau der Kernenergie, die 5,65 TWh produzierte.

Die Windenergie produzierte im ersten Halbjahr 2017 ca. 48,6 TWh und lag um 7,6 TWh über der Produktion im ersten Halbjahr 2016. Die Windenergie war damit die zweitstärkste Energiequelle nach der Braunkohle (68 TWh) und lag vor Steinkohle (47,4 TWh), Kernenergie (31,8 TWh) und Erdgas (24 TWh).

Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen während der ersten sechs Monate 2017 ungefähr 69,6 TWh gegenüber 60 TWh im ersten Halbjahr 2016. Sie liegen damit auf dem ersten Platz der Stromquellen und konnten erstmals mehr Strom als die Braunkohle (68 TWh) erzeugen.

Die Wasserkraft produzierte im ersten Halbjahr ca. 10,6 TWh und lag damit um 1,7 TWh hinter der Erzeugung im ersten Halbjahr 2016. Aus Biomasse wurden ca. 24,4 TWh produziert. Die Produktion lag damit genau auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser und Biomasse im ersten Halbjahr 2017 circa 104,5 TWh. Das sind rund acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Strommix Deutschland 2017 hat einen Ökostromanteil von etwa 37,8 Prozent – ein Rekordwert.

Genau hinschauen bei der Stromkennzeichnung

Unter Stromkennzeichnung versteht man die gesetzlich vorgeschriebene Information der Versorger an Endverbraucher über die Zusammensetzung des Stroms. Diese ist in der Stromrechnung angegeben und zeigt die Bestandteile der Energieträger an, aus denen der Strom des Verbrauchers erzeugt wurde. Diese Stromkennzeichnung wird ebenfalls Strommix genannt und sie bezieht sich für den Verbraucher nur auf seinen Versorger.

Der EHA Grünstrom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien (überwiegend aus Wasserkraft). Die Herkunft und damit die Qualität unseres grünen Stroms lässt sich über das von der Europäischen Union anerkannte Zertifikatssystem EECS (European Energy Certificate System) eindeutig einem bestimmten Erzeuger zuordnen. Die Zertifikate weisen genau nach, welche Strommengen zu welcher Zeit in welcher Anlage erzeugt wurden. Ausstellung, Transfer und Entwertung der Zertifikate werden vom Umweltbundesamt überwacht.

Erneuerbare Energien hängen insgesamt hinterher

Energie ist mehr als Strom. Damit die Energiewende gelingt, sollen nicht nur im Stromsektor, sondern auch in den Bereichen Wärme, Kälte und Verkehr die fossilen Energieträger Schritt für Schritt durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Hier allerdings ist die Entwicklung ins Stocken geraten, der Energiemix Deutschland stagniert. Im Gegensatz zum Strombereich werden Wärme- und Kälteerzeugung sowie der Verkehr in Deutschland heute noch weitgehend mit fossilen Energieträgern bestritten. In 2016 betrug der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch nur 14,6 Prozent und er steigt nur sehr langsam an.

Laut EU-Richtlinie muss der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen am Endenergieverbrauch im Jahr 2020 bei 18 Prozent liegen. Der Bundesverband Erneuerbare Energien BEE prognostiziert in einer neuen Studie jedoch lediglich 16 Prozent bis dahin. Begründet wird dies mit dem Verbrauchsanstieg bei Wärme und Verkehr. Hier gibt es also noch viel zu tun. Ein vielversprechender Weg ist der Einsatz von Strom aus Erneuerbaren, um die Energiewende in den anderen Sektoren voranzutreiben. Wird der Grünstrom genutzt zur Reduzierung von fossilen Energien in den anderen Bereichen, nennt man das Sektorkopplung.

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