Strommix in Deutschland: Die Erneuerbaren auf Rekordkurs

Aktualisiert

Im Sektor Strom ist die Energiewende auf einem guten Weg. Während des ersten Halbjahrs 2019 stieg der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen im Strommix Deutschland auf den Rekordwert von 47 Prozent.

Handel am Strommarkt

Der Begriff Strommix bezeichnet die anteilige Zusammensetzung des in Deutschland erzeugten Stroms nach Energiequellen (erneuerbare und konventionelle Energiequellen).

Seit einigen Jahren verschiebt sich der Mix zugunsten der Erneuerbaren. Politischer Hintergrund der Entwicklungen im Strommix ist die Energiewende hin zu einer Steigerung der Erzeugung von Energie aus Erneuerbaren Energiequellen und der beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 und der Ausstieg aus der Kohle bis 2038.

Verschiedene Energiequellen zur Stromerzeugung

Die Energiequellen zur Stromerzeugung in Deutschland lauten Kohle, Atomkraft, Erdgas und erneuerbare Energiequellen. In Deutschland wird noch immer der größte Teil der elektrischen Energie aus Kohle gewonnen. Das Problem bei der Stromerzeugung durch fossile Brennstoffe ist deren begrenzte Verfügbarkeit und die Klimaschädlichkeit durch den damit verbundenen CO2-Ausstoß. Einen weiteren großen Teil der Stromerzeugung bestreiten nach wie vor die Atomkraftwerke.

Erneuerbare Stromerzeugung seit Jahren auf dem Vormarsch

Zu den erneuerbaren Stromquellen gehören in dieser Reihenfolge Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse. Ihr Anteil im deutschen Strommix wird immer größer und hat sich seit 1990 mehr als verachtfacht. Im Strommix, sprich bei dem Strom der tatsächlich aus der Steckdose kommt, sind im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland bereits 47,5 Prozent erneuerbare Energien enthalten. Noch im Jahr 2018 lag dieser Anteil bei 40,3 Prozent. Als zweitwichtigste Stromquelle folgt die Braunkohle mit 19,9 Prozent Anteil am Strommix. Zum Vergleich, im Jahr 1990 lag dieser Anteil bei 31,1 Prozent. Besonders stark an Bedeutung verloren hat die Atomkraft. Ihr Anteil liegt im ersten Halbjahr 2019 noch bei 13,1 Prozent, das ist weniger als die Hälfte als vor 25 Jahren. Zuwächse verbuchte allerdings auch die Stromerzeugung aus der konventionellen Energiequelle Erdgas (1990: 6,5 Prozent, 2019: 9,3 Prozent).

Strommix 2019: Fast 50 Prozent aus Erneuerbaren

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat nun Daten zur Stromerzeugung für das erste Halbjahr 2019 veröffentlicht (folgenden Abbildungen stammen ebenfalls aus der Studie). Demnach konnte mit 47,4 Prozent ein Zuwachs an erneuerbarer Energie am Strommix gegenüber dem Vorjahr von 7 Prozent erzeugt werden. Der Anteil an Steinkohle am Strommix ist gegenüber dem Vorjahr um 23,7 Prozent gesunken. Braunkohle nahm um 20,7 Prozent ab. Der konventionelle Energieträger Gas legte hingegen um 16,3 Prozent am Strommix zu.

Windkraft größter Anteil am Strommix

Im Juni 2019 ist die Solarenergie erstmals stärkste Energiequelle des Monats. Ihr Anteil am Strommix lag im Juni 2019 bei 19,1 Prozent. Dies entspricht einer Leistung von 7.17 Terrawattstunden (TWh). Im gesamten ersten Halbjahr 2019 lag der Anteil der Solarenergie bei 9,5 Prozent und ist damit um 1 Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr 2018 gestiegen. Grundsätzlich ist die Windkraft stärkste Kraft im Strommix für Deutschland – sowohl absolut betrachtet als auch innerhalb der Erneuerbaren. Zwar lag ihr Anteil im Juni 2019 mit 18 Prozent hinter der Solarenergie. Im gesamten ersten Halbjahr 2019 lag der Anteil der Windkraft jedoch bei 25,3 Prozent und einer Gesamtleistung von 67,19 TWh. Gefolgt wird die Windkraft von Braunkohle mit 19,9 Prozent und 52,98 TWh.

Wasserkraft geringster Anteil am Strommix

Die Wasserkraft produzierte im ersten Halbjahr 2019 ca. 10,4 TWh und lag damit um 0,5 TWh hinter der Erzeugung im ersten Halbjahr 2018. Mit 4 Prozent trägt die Wasserkraft den geringsten Anteil am deutschen Strommix. Aus Biomasse wurden ca. 22,6 TWh produziert. Die Produktion lag damit genau auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe produzierten die erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser und Biomasse im ersten Halbjahr 2019 circa 125 TWh. Das sind rund 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Strommix Deutschland 2019 hat damit einen Ökostromanteil von etwa 47 Prozent – ein erneuter Rekordwert. 

Stromkennzeichnung genau prüfen

Unter Stromkennzeichnung versteht man die gesetzlich vorgeschriebene Information der Versorger an Endverbraucher über die Zusammensetzung des Stroms. Diese ist in der Stromrechnung angegeben und zeigt die Bestandteile der Energieträger an, aus denen der Strom des Verbrauchers erzeugt wurde. Diese Stromkennzeichnung wird ebenfalls Strommix genannt und sie bezieht sich für den Verbraucher nur auf seinen Versorger. 

EHA Grünstrom 100 Prozent Erneuerbare 

Der EHA Grünstrom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien (überwiegend aus Wasserkraft). Die Herkunft und damit die Qualität unseres grünen Stroms lässt sich über das von der Europäischen Union anerkannte Zertifikatssystem EECS (European Energy Certificate System) eindeutig einem bestimmten Erzeuger zuordnen. Die Zertifikate weisen genau nach, welche Strommengen zu welcher Zeit in welcher Anlage erzeugt wurden. Ausstellung, Transfer und Entwertung der Zertifikate werden vom Umweltbundesamt überwacht. 

Erneuerbare Energien hängen insgesamt hinterher

Energie ist mehr als Strom. Damit die Energiewende tatsächlich gelingt, sollen nicht nur im Stromsektor, sondern auch in den Bereichen Wärme, Kälte und Verkehr die fossilen Energieträger Schritt für Schritt durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Hier allerdings ist die Entwicklung ins Stocken geraten, der Energiemix Deutschland stagniert. Im Gegensatz zum Strombereich werden Wärme- und Kälteerzeugung sowie der Verkehr in Deutschland heute noch weitgehend mit fossilen Energieträgern bestritten. In 2018 betrug der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch nur 17 Prozent und er steigt nur sehr langsam an. 

Wärmewende und Verkehrswende stagnieren

Laut EU-Richtlinie muss der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen am Endenergieverbrauch im Jahr 2020 bei 18 Prozent liegen. Die Prognosen für dieses Ziel der Erneuerbare Energien sind teilweise jedoch verhalten. Begründet wird dies mit dem Verbrauchsanstieg bei Wärme und Verkehr. Die Wärmewende sowie die Verkehrswende stagnieren also. Hier gibt es noch viel zu tun. Ein vielversprechender Weg ist der Einsatz von Strom aus Erneuerbaren, um die Energiewende in den anderen Sektoren voranzutreiben. Wird der Grünstrom genutzt zur Reduzierung von fossilen Energien in den anderen Bereichen, nennt man das Sektorenkopplung.

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