Strompreis für die Industrie: Was die aktuelle Strompreisentwicklung mit sich bringt
Aktualisiert
Nachdem die Strompreise 2022 durch den Ukraine-Krieg in die Höhe geschnellt sind, hat sich die Situation insbesondere seit 2024 deutlich entspannt.
Wir geben in diesem Artikel einen Einblick in die vergangene und aktuelle Entwicklung der Strompreise für Unternehmen.
Entwicklung der Strompreise für Unternehmen
Die Strompreise, die vor ein paar Jahren vor allem noch durch hohe Steuern und die EEG-Umlage getrieben wurden, haben sich nach einem Hoch im Jahr 2022 mittlerweile wieder stabilisiert.
Dies ist auf Entscheidungen durch die Politik, aber auch auf eine sich entspannende Lage der Energie-Situation trotz des Ukraine-Krieges zurückzuführen.
Senkung der Stromsteuer führt seit 2024 vereinzelt zu Entlastung
2024 wurde für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß von 0,05 Cent pro Kilowattstunde beschlossen.
Diese zunächst vorübergehend beschlossene Senkung hat die neue Bundesregierung mittlerweile verstetigt: Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie für Land- und Forstwirtschaft gilt ab dem 1. Januar 2026 die abgesenkte Stromsteuer, pauschal und zeitlich unbegrenzt sowie unabhängig vom Stromverbrauch oder der Unternehmensgröße.
Geplanter Industriestrompreis ab 2026: Befristete Entlastung für energieintensive Branchen
Zusätzlich zur dauerhaft gesenkten Stromsteuer plant die Bundesregierung ab 2026 einen befristeten Industriestrompreis, allerdings nur für besonders energieintensive Unternehmen. Die Entlastung soll dabei allerdings nicht als sofort reduzierter Preis auf der Stromrechnung erfolgen, sondern als staatliche Förderung, die im Folgejahr ausgezahlt wird.
Anspruchsberechtigt sind ausschließlich Betriebe aus 91 Branchen der sogenannten KUEBLL-Liste der EU, die jene Industriezweige umfasst, für die aufgrund hoher Energiekosten das Risiko besonders hoch eingeschätzt wird, Produktion ins Ausland zu verlagern (z. B. Chemie, Metall, Glas, Papier, Halbleiter). Für diese Unternehmen soll der Arbeitspreis für bis zu 50 % des Jahresverbrauchs auf einen Zielwert von 5 ct/kWh für die Energiebeschaffung begrenzt werden. Netzentgelte, Umlagen und Steuern kommen weiterhin hinzu. Grundlage der Entlastung ist der durchschnittliche Großhandelsstrompreis des Vorjahres; die Förderung beträgt dabei maximal 50 % dieses Referenzpreises.
Die Regelung ist zunächst auf 2026 bis 2028 befristet und an klare Bedingungen geknüpft: Unternehmen müssen mindestens 50 % der erhaltenen Beihilfe innerhalb von 48 Monaten in Dekarbonisierungsmaßnahmen investieren, etwa in Effizienzprojekte, erneuerbare Eigenerzeugung, Speicher oder Lastflexibilität.
Das Inkrafttreten des Industriestrompreises steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der EU-Kommission. Die Bundesregierung rechnet aktuell mit einem Start zum 1. Januar 2026.
Unsere Einordung des neuen Industriestrompreises
Jan-Oliver Heidrich, EHA-Geschäftsführer und Vorsitzender Energieausschuss beim Handelsverband Deutschland (HDE), ordnet die neue Regelung für uns ein:
„Der geplante Industriestrompreis ist umstritten: Einerseits verteuern wir Strom durch den CO₂-Preis, um die Dekarbonisierung voranzutreiben, andererseits machen wir ihn für bestimmte energieintensive Unternehmen wieder günstiger. Das widerspricht sich.
Wichtig ist: Es gibt kein Wahlrecht zwischen CO₂-Preis und Industriestrompreis. Der CO₂-Preis bleibt bestehen, während die Förderung für Unternehmen aus der KUEBLL-Liste zusätzlich greift – sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Energiekosten machen bei den meisten Unternehmen nur 6 bis 8 % der Gesamtkosten aus. Existenzbedrohend sind hohe Strompreise selten. Dennoch verschlechtern sie den Standort Deutschland und reduzieren Investitionsspielraum – das ist nicht von der Hand zu weisen.
Die eigentlichen Probleme liegen aber in hohen Steuern, Abgaben und Bürokratie. Ein Industriestrompreis ist ein massiver Markteingriff ohne Gegenfinanzierung, der Liquidität aus dem Markt nimmt. Statt solch punktuellen Subventionen brauchen wir ein insgesamt effizienteres Energiesystem!“
Strompreis Industrie - Wie sehen die aktuellen Energiepreise aus?
Der durchschnittliche Strompreis für Gewerbe inklusive Steuern, Abgaben und Umlagen bis Oktober 2025 lag laut Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft aus dem November 2025 bei 17,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
Im Vergleich zum Jahr 2024 bedeutet dies eine leichte Verteuerung um ca. 0,5 Cent. Damit liegt der Strompreis aber immer noch 6,7 ct/kWh unter dem Mittelwert des Jahres 2023.
Strompreisentwicklung für Unternehmen & die Industrie
Klar zu erkennen ist die kurzzeitige Auswirkung des Ukraine-Krieges im Jahr 2022.
Durch die Abschaffung der EEG-Umlage wurde 2022 zudem erstmalig zielgerichtet gegen die steigenden Strompreise vorgegangen.
Der Strompreis an der Börse: Aktuelle Entwicklung
Der Strompreis an der Börse wird pro Megawattstunde (MWh) ausgezeichnet und beinhaltet noch keine Umlagen oder Abgaben, im Vergleich zum oben dargestellten Endkundenpreis für Unternehmen und die Industrie.
Börsenstrompreis am EPEX-Spotmarkt für Deutschland/Luxemburg
Der Anstieg der Börsenstrompreise im Winter 2024/2025 hatte vor allem witterungsbedingte Gründe: Zwischen November 2024 und Februar 2025 führten kalte Temperaturen, wenig Photovoltaik-Erzeugung sowie eine vergleichsweise schwache Windstromproduktion insbesondere im Januar und Februar zu einer hohen Nachfrage nach Gas für Heizung und Verstromung.
Ab März bis Juni 2025 sorgten dann steigende PV-Einspeisungen für Entlastung.
Im Juli 2025 wiederum war das Bild zweigeteilt: Einerseits standen sehr hohe PV-Erträge zur Verfügung, andererseits führte eine Hitzewelle in Südeuropa zu steigendem Kühlungsbedarf und damit zu höherer Stromnachfrage. Gleichzeitig mussten einige französische Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren, da das für die Kühlung genutzte Flusswasser sonst zu stark aufgeheizt worden wäre. Diese Kombination sorgte erneut für Preisschwankungen an den Strombörsen, und das europaweit.
Von August bis November 2025 blieben die Spotmarktpreise moderat: Höhere Einspeisung aus Erneuerbaren im Vergleich zum Vorjahr sorgte für Entlastung, während schwache Gaspreise trotz steigender CO₂-Kosten die Preisbildung bestimmten. PV-Erträge prägte den Spätsommer, Windenergie den Herbst – die Nachfrage lag auf Vorjahresniveau.
Wie sich das Wetter, der hohe Gasverbrauch und der damit zusammenhängende Gaspreis auf den Strompreis auswirken, erklären wir im Blog-Beitrag Merit-Order & Auswirkungen der Gaspreise.
Strompreisentwicklung – eine Prognose
Wir erwarten, dass die Verbraucherstrompreise in Deutschland in den nächsten Jahren tendenziell eher steigen, insbesondere aufgrund der Abgaben und Umlagen. Hintergrund sind die hohen erwarteten Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzinfrastruktur sowie der höheren CO2-Kosten.
Längerfristig könnten Effizienzgewinne und ein stärkerer Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu einer Stabilisierung oder sogar einer Reduktion der Großhandelsstrompreise führen.
Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen Verbraucher- und Großhandelsstrompreisen: Während Verbraucherstrompreise die volle Belastung aus Netzentgelten, Umlagen und Steuern widerspiegeln und daher tendenziell steigen, beziehen sich Großhandelsstrompreise ausschließlich auf den reinen Stromhandel an der Börse. Sie können sich – unabhängig von den Endkundenpreisen – durch Wettbewerb und Effizienzgewinne langfristig stabilisieren oder sogar sinken.
Folgende Faktoren werden die zukünftigen Strompreise beeinflussen:
1. Erneuerbare Energien und Netzausbau
Der kontinuierliche Ausbau von Wind- und Solarenergie spielt eine entscheidende Rolle:
- Erneuerbare Energien senken langfristig die Erzeugungskosten.
- Der erforderliche Ausbau der Netzinfrastruktur sowie die Integration von erneuerbaren Energien in das Stromnetz werden kurz- bis mittelfristig aber zu höheren Kosten führen.
- Zudem muss die Volatilität in der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien durch anderweitige Stromerzeugung im Rahmen des Strommixes ausgeglichen werden, was zu deutlichen Preisschwankungen führt.
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2. Kohleausstieg und Gaspreise
- Der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 und die verstärkte Nutzung von Erdgas als Brückentechnologie dürften ebenfalls zunächst zu Preissteigerungen führen.
- Die Volatilität der Gaspreise, insbesondere in geopolitisch unsicheren Zeiten, kann die Stromkosten weiter beeinflussen, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat.
- Neubau moderner Gaskraftwerke: Die geplanten hohen Investitions- und Betriebskosten für den Neubau moderner Gaskraftwerke, die über Netzentgelte und Strompreise ebenfalls auf die Verbraucher umgelegt werden, werden sich ebenfalls preissteigernd auswirken.
3. CO₂-Preise
Im Europäischen Emissionshandelssystem steigen die Kosten gleich doppelt: Einerseits durch die politisch vorgesehene schrittweise Anhebung der CO₂-Preise, andererseits durch die Verknappung der verfügbaren Emissionszertifikate (EUA). Das aktuelle sogenannte Frontloading – also das Vorziehen von Zertifikaten aus den Jahren 2027 bis 2030 in die Handelsperioden bis 2026 – läuft Ende 2026 aus. Ab 2027 fehlen diese zusätzlichen Zertifikate dann, was die Knappheit und damit den Preisdruck weiter verschärfen dürfte, sofern die Politik nicht gegensteuert.
Beides zusammen erhöht die Stromgestehungskosten insbesondere bei konventionellen Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen.
4. Nachfrageentwicklung
- Die zunehmende Elektrifizierung, etwa durch Elektromobilität und Wärmepumpen, könnte die Stromnachfrage steigern, was sich auch auf die Preise auswirken kann, besonders in Spitzenzeiten.
- Gleichzeitig könnte die Nachfrage zurückgehen, wenn weiterhin energieintensive Produktion ins Ausland abwandert. Umgekehrt steigt sie, wenn in Deutschland vermehrt Rechenzentren gebaut werden.
- Die Nachfrageentwicklung ist damit einer der am schwersten vorhersehbaren Faktoren für die künftige Strompreisentwicklung.
5. Staatliche Eingriffe und Abgaben
Subventionen für erneuerbare Energien, Abgaben und Steuern bleiben bedeutende Faktoren, deren Ausgestaltung ein Unsicherheitsfaktor bleibt.
Wie können Unternehmen den fluktuierenden Preisen begegnen?
Statt auf kurzfristige Preisentwicklungen zu reagieren, setzen immer mehr Unternehmen auf eine strukturierte Strombeschaffung. Dabei wird der Energiebedarf in Teilmengen aufgeteilt und zu unterschiedlichen Zeitpunkten am Markt gesichert – je nach Preisniveau und Bedarf. So lassen sich Risiken streuen, Chancen nutzen und die Stromkosten langfristig stabilisieren.
Wir begleiten Sie dabei mit einem individuellen Beschaffungskonzept, das zu Ihrem Verbrauchsprofil und Ihrer Risikostrategie passt.
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Ihre Energiebeschaffung strategisch aufstellen möchten.
Über EHA
Die EHA Energie-Handels-Gesellschaft ist der Energiedienstleister für Unternehmen mit vielen Standorten. Als verlässlicher Partner in allen Energiethemen bieten wir ein breites Spektrum an Services und Mehrwerten, die immer genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind.