Strompreise für Unternehmen: Was die aktuelle Strompreisentwicklung mit sich bringt

Aktualisiert

Strompreise für Unternehmen: Glühbirne mit Kleingeld
Bildquelle: iStock

Von einem Höchstpreis zum nächsten und das in rasendem Tempo. Dass die Strompreise in den letzten 10 Jahren zwar kontinuierlich, aber langsam gestiegen sind, ist heute ein Zustand, den man sich sehnlichst zurückwünscht.

Momentan steigen die Strompreise rapide an. Warum das so ist und was die steigenden Strompreise für Unternehmen bedeuten, erklären wir im Folgenden.

Strompreise für Unternehmen: Herausforderungen durch steigende Strompreise

In Deutschland hat sich seit der Jahrtausendwende der Strompreis mehr als verdoppelt. Lange Zeit waren es vor allem die hohen Steuern und die EEG-Umlage, die den Strompreis für Verbraucher auf immer neue Höhen getrieben haben. Seit dem coronabedingtem-Tief im Jahr 2020 steigt zudem der reine Beschaffungspreis für Strom von einem Allzeithoch zum nächsten. Das beinhaltet große Herausforderungen für Unternehmen insbesondere aus energieintensiven Branchen.

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Energiepreisentwicklung für Unternehmen - Wie sehen die aktuellen Energiepreise aus?

Der durchschnittliche Strompreis im Jahr 2021 inklusive der Stromsteuer für Industriestrom lag laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bei 21,39 Cent pro Kilowattstunde (kWh) – und damit bereits 3,62 Cent höher als noch in 2020. Im Januar 2022 lag der Preis bereits bei 26,64 Cent pro kWh. Der Trend hat sich fortgesetzt.

Durch die Abschaffung der EEG-Umlage wird erstmalig gegen die steigenden Strompreise zielgerichtet vorgegangen. Zwar ist die EEG-Umlage im Januar 2022 bereits im Gegensatz zum Vorjahr gesunken, dennoch entfallen durch die Abschaffung aktuell weitere 3,72 Cent pro kWh für Unternehmen.

Strompreisentwicklung für Unternehmen & die Industrie

Bei der Preisermittlung wurden hier Industriekunden mit einem jährlichen Stromverbrauch von 160.000 bis 20 Millionen kWh Strom betrachtet.

Strompreis für die Industrie (inkl. Stromsteuer)
Durchschnittlicher Strompreise für Neuabschlüsse in der Industrie in ct/kWh (inkl. Stromsteuer), Jahresverbrauch 160.000 bis 20 Mio. kWh, mittelspannungsseitige Versorgung.
Quelle: BDEW

Gut zu wissen: Strompreise werden sehr individuell kalkuliert. Abhängig von Produktionsstandort, Verbrauch und Branche können die Preise variieren.

Der Strompreis an der Börse: Aktuelle Entwicklung

Der Strompreis an der Börse wird im Gegensatz zum Endkundenpreis pro Megawattstunde (MWh) ausgezeichnet und beinhaltet noch keine Umlagen oder Abgaben, wie der oben dargestellte Endkundenpreis für Unternehmen und die Industrie.

Die Strompreise an der Börse sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und nach einem absteigenden Trend zu Beginn des Jahres 2022 durch die aktuellen weltpolitischen Vorgänge in die Höhe geschossen.

Warum sind die Strompreise in Deutschland so hoch?

Der Strommarkt ist seit einigen Jahren im Wandel – was sich nicht nur auf die Entwicklung der Strompreise auswirkt, sondern auch auf die Wirtschaft und zudem die Energiewende hemmt. Grund für die teuren Strompreise in Deutschland sind zum einen die steigenden CO2-Preise und zum anderen der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Zudem spielen weltpolitische Handlungen, wie der Krieg in der Ukraine und die damit zusammenhängenden Sanktionen gegen Russland, aktuell eine große Rolle bei den Energiepreisen.

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CO2-Preise spielen eine bedeutende Rolle

Die noch am ehesten prognostizierbaren Faktoren sind die CO2-Preise, die Höchstpreise für Brennstoffe, wie Gas und die wegfallenden Grundlastkraftwerke.

EHA-Geschäftsführer Dirk Mithöfer erklärt, warum die CO2-Preise für die Stromerzeugung stark ansteigen: Denn die CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel haben anders als die kürzlich eingeführten CO2-Preise für Wärme und Verkehr, keinen festen Preis haben, sondern sie werden frei gehandelt. Seit März 2020 hat sich der Preis für die Zertifikate mehr als verfünffacht und wirkt sich somit stark preissteigernd auf die Strompreise aus.

Historische Höchstpreise für Gas

Weitere Faktoren sind historische Höchstpreise für die Brennstoffe wie Gas. Durch einen ungewöhnlich langen Winter, niedrige Gasspeicherstände in Deutschland und eine hohe globale Nachfrage hat sich der Gaspreis im Terminhandel mehr als verfünffacht.

Wegen dieser Extrempreise wurden vermehrt Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt („Gas-to-Coal-Switch“), weil deren Erzeugung vergleichsweise günstiger ist. Trotzdem werden oft Gaskraftwerke benötigt, um den Strombedarf vollständig zu decken. Da auf dem Strommarkt der Preis durch das letzte noch benötigte Kraftwerk bestimmt wird, schlagen sich die extremen Gaspreise schließlich in den Strompreisen nieder.

Wegfallende Grundlastkraftwerke

Obwohl erneuerbare Energien einen immer größeren Anteil der Stromerzeugung in Deutschland übernehmen, sind fossile Kraftwerke meist für die Preissetzung auf dem Strommarkt verantwortlich. Durch den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie und der Kohleerzeugung fallen nun immer mehr preisgünstige Grundlastkraftwerke weg.

Umlagen & Entgelte als maßgeblicher Bestandteil des Strompreises

Der Strompreis setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen. Sie lassen sich in die Kategorien

Besonders die Umlagen spielen bei der Entwicklung des Strompreises eine wichtige Rolle. Hier haben wir die aktuellen Strom-Umlagen für 2022 festgehalten.

Strompreisentwicklung Prognose: Wie entwickeln sich die Strompreise?

Wie im Verlauf von 2021 deutlich geworden ist, lässt sich die Entwicklung der Strompreise nicht zuverlässig vorhersagen. Durch die Abschaffung der EEG-Umlage, der Planung weiterer Maßnahmen, aber vor allem auch durch den Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland, ist eine zuverlässige Prognose für 2022 oder die folgenden Jahre aktuell kaum erstellbar – vor allem auch, weil die langfristigen Auswirkungen kaum vorhersehbar sind.

Gäbe es die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine nicht, würden wir es für wahrscheinlich halten, dass es für den reinen Marktpreis eine Erholung von den derzeitigen Extrempreisen geben könnte. Allerdings sind auch in diesem Fall noch Preise deutlich über dem langjährigen Durchschnitt zu erwarten. Speziell im Hinblick auf den Preis für die CO2-Zertifikate aus dem europäischen Emissionshandel (relevant für Industrie und Stromerzeugung) ist eine Rückkehr zu früheren, niedrigeren Preisniveaus nicht zu erwarten.

Bei den Steuern und Umlagen zeichnet sich eine deutliche Entlastung ab: Die neue Bundesregierung wird ab Mitte 2022 laut Koalitionsvertrag eine vollständige Streichung der EEG-Umlage vollziehen. Andererseits könnte der ebenfalls beabsichtigte deutliche Ausbau des Stromnetzes zu einem Anstieg der Netzentgelte führen. Auch eine grundlegende Überarbeitung der Umlagen- und Entgeltsystematik ist nicht ausgeschlossen.

Wie können Unternehmen den steigenden Preisen begegnen?

Unternehmen sollten nicht nur auf Energieeffizienz setzen, sondern sich auch damit befassen, wie sie ihre bestehenden Stromkosten verringern bzw. optimieren können.

Mit dem EHA-Effekt kann ein Muster-Gewerbebetrieb mit einem Strombedarf von 66.000 kWh/p. a. hier durch die Optimierung fester Strompreis-Bestandteile jährlich 1.958 Euro einsparen.

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