Zusammensetzung des Gaspreises

Die Zusammensetzung des Gaspreises
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Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, welche Einflüsse auf den Gaspreis wirken.

Zudem beleuchtet er, wie sich der Gaspreis für Gewerbe und Industrie zusammensetzt.

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Die Bestandteile des Gaspreises lassen sich grob in drei verschiedene Gruppen einteilen:

  1. Beschaffungs- und Vertriebskosten: Der Erdgaslieferpreis ist der vertraglich fixierte Einkaufspreis zwischen dem Lieferanten und dem Abnehmer 
  2. Steuern, Abgaben & Umlagen:  Energiesteuer, Konzessionsabgabe, CO2-Preis, diverse Umlagen und Mehrwertsteuer (MwSt.)
  3. Netzentgelte und Messstellenbetrieb

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Zusammensetzung des Gaspreises
Stand: 01/2024 | Quelle: Eigene Darstellung

Beschaffungs- und Vertriebskosten

Dieser Preisbestandteil wird maßgeblich durch den Wettbewerb unter den Anbietern bestimmt und wird daher als Wettbewerbsanteil bezeichnet. Dieser Anteil, der aktuell durchschnittlich etwa 66 % des Gaspreises ausmacht, variiert je nach Beschaffungsstrategie und umfasst Personal-, Vertriebs- und Verwaltungskosten des jeweiligen Gasanbieters. Schwankungen der Marktpreise spiegeln sich in fallende oder steigende Beschaffungskosten wider.

Gewerbliche Gaskunden profitieren häufig von niedrigeren Gaspreisen im Vergleich zu Haushaltskunden. Dieses preislich angepasste Gasangebot wird als Gewerbegas bezeichnet.

Unternehmen haben die Möglichkeit, diesen Kostenanteil zu reduzieren, indem sie die im Liefervertrag aufgeführten Kosten sorgfältig mit denen anderer Anbieter vergleichen und Verhandlungen basierend auf den aktuellen Marktpreisen führen.

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Steuern, Abgaben und Umlagen

Staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen machen in Summe aktuell ca. 18% des Gaspreises aus. Die Bestandteile werden jeweils auf der Verbrauchsabrechnung ausgewiesen.

Mehrwertsteuer

Nachdem die Mehrwertsteuer für Gas im Jahr 2023 temporär auf 7% gesenkt worden war, beträgt sie im Jahr 2024 wieder 19%.

CO2-Preis

In den letzten Jahren hat sich ein deutlicher Übergang zu erneuerbaren Energien vollzogen, die zunehmend fossile Brennstoffe als primäre Energiequelle ersetzen – Stichwort: Dekarbonisierung. Dieser Wandel soll u. a. durch den im Jahr 2021 eingeführten gesetzlichen CO2-Preis beschleunigt werden.

Unternehmen, die Kunden mit Erdgas beliefern, müssen seitdem CO2-Zertifikate erwerben, um ihre CO2-Emissionen auszugleichen. Die damit verbundenen Kosten werden dem Endverbraucher belastet und als separater Preisbestandteil auf der Rechnung ausgewiesen.

Gasspeicherumlage

Über die sogenannte Gasspeicherumlage, die es seit dem 01.10.2022 gibt, sollen die Kosten gedeckt werden, die den Gasspeicherbetreibern zusätzlich entstehen, um die Füllstandsvorgaben zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit zu erfüllen.

Die Umlage beläuft sich seit Januar 2024 auf 1,86 Euro pro Megawattstunde.

Energiesteuer

Dazu kommt die Energiesteuer, auch als Erdgassteuer bekannt. Derzeit beträgt der Energiesteuersatz 0,55 Cent pro kWh.

Konzessionsabgabe

Die Netzbetreiber müssen den Gemeinden eine Konzessionsabgabe für die Nutzung öffentlicher Straßen zur Verlegung und Wartung von Gasleitungen zahlen.

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Netznutzungsentgelte in der Gaspreis-Zusammensetzung

Die Netznutzungsentgelte decken den Unterhalt und den Ausbau des Gastransportnetzes auf regionaler und nationaler Ebene. Diese Entgelte werden festgelegt und von der Bundesnetzagentur (BNetzA) überwacht. Die Gasversorger haben keinen Einfluss auf die Struktur dieser Entgelte.

Die Netzentgelte machen aktuell ca. 16% des Gaspreises aus.

Faktoren wie Landschaftsform, Siedlungsdichte und Infrastrukturinvestitionen können zu erheblichen regionalen Unterschieden bei den Netzentgelten für die Gasversorgung führen. Infolgedessen können in Gebieten mit höheren Ausgaben höhere Netzentgelte anfallen als in Gebieten mit geringerem Investitionsbedarf.

Gas: Verteilung der Nettonetzentgelte für Gewerbekunden in Deutschland, 2022

Netzentgelte für Gewerbe in Deutschland
Quelle: Bundesnetzagentur

 

In den Netzentgelten sind zwei nicht separat auf der Gasrechnung ausgewiesene Umlagen enthalten:

  1. Die erste ist die Biogas-Umlage. Durch sie werden die Kosten für den Netzanschluss von Biogasanlagen auf alle Gaskunden umgelegt.
  2. Die zweite Umlage ist die Marktraum-Umstellungsumlage, die mit der abnehmenden Verwendung von L-Gas (niederkalorischem Gas) im deutschen Gasnetz verbunden ist. Aufgrund dieser Entwicklung müssen die bestehenden Leitungen für die Nutzung von H-Gas (hochkalorischem Gas) umgerüstet werden. Diese Umlage verteilt die Kosten für die Umrüstung auf Haushalte und Unternehmen.

Interessant

L-Gas wurde traditionell aus den Niederlanden bezogen. Aufgrund von Erdbebengefahren haben die Niederlande jedoch beschlossen, die Förderung einzustellen.

Entwicklung Gaspreis

Nachdem der Gaspreis mit Beginn des Krieges in der Ukraine im Frühjahr 2022 extrem angestiegen ist, gab es seit dem Herbst 2022 große Korrekturen nach unten. Dies hat sich Anfang 2023 fortgesetzt und im Sommer 2023 dann nahezu normalisiert. Seit November 2023 sind die Preise nochmal massiv gefallen. 

Aufgrund der aktuell gut gefüllten Gasspeicher, den Einsparungen, maßgeblich beeinflusst durch Industrie und Haushalte, der Errichtung und Inbetriebnahme von LNG-Terminals sowie den gestiegenen LNG-Importen, ist aktuell nicht mit steigenden Preisen zu rechnen.

Eine erneute Gasmangellage ist unwahrscheinlich. Die jüngste Vergangenheit hat allerdings gezeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann.

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