Klimagas als Brückentechnologie: Strategisches Emissionsmanagement für Unternehmen
Der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand ist für viele Unternehmen ein Marathon, kein Sprint. Während der physische Ausstieg aus fossilen Brennstoffen durch Sanierungen und Heizungstausch das langfristige Ziel markiert, stehen Energie- und Nachhaltigkeitsmanager heute vor der Herausforderung, sofortige Antworten auf regulatorische Anforderungen zu liefern.
Hier kann Klimagas – kompensiertes Erdgas – als entscheidende Brücke fungieren: Es schließt die Lücke zwischen dem heutigen Ist-Zustand und der angestrebten Dekarbonisierung von morgen.
Das Wichtigste zu Klimagas in Kürze
- Mehrwert für Unternehmen: Der Umstieg von Erd- auf Klimagas führt für Unternehmen von jetzt auf gleich zu einer verbesserten Klimabilanz im Nachhaltigkeitsreporting.
- Besonderheit: Im Vergleich zu herkömmlichem Erdgas wird bei Klimagas der CO2-Fußabdruck durch Klimaschutzprojekte oder den Erwerb von Klimaschutzzertifikaten bilanziell „neutralisiert“.
- Bilanzieller Ausgleich: Es handelt sich um eine rechnerische Kompensation der CO2-Emissionen, nicht um eine direkte CO2-Vermeidung.
- Brückenfunktion: Klimagas kann als Übergangslösung für Unternehmen bzw. Standorte dienen, für die ein sofortiger Heizungstausch technisch oder wirtschaftlich noch nicht realisierbar ist.
- Regulatorische Sicherheit: Der Bezug von Klimagas kann dabei helfen, die steigenden Anforderungen der CSRD-Berichtspflicht schnell zu adressieren, während die langfristige Dekarbonisierungs-Roadmap umgesetzt wird.
Was ist Klimagas? Eine Einordnung für Entscheider
Unter Klimagas, häufig auch als Ökogas bezeichnet, wird kompensiertes Erdgas verstanden.
Wir halten „kompensiertes Erdgas“ für die ehrlichste technische Bezeichnung, da sie unmissverständlich klarstellt: Es handelt sich weiterhin um fossiles Erdgas (dem aber auch Biogas beigemischt sein kann).
Angesichts der verschärften Rechtsprechung zur Werbung mit „Klimaneutralität“ (BGH-Urteil 2024/2025) ist diese Transparenz für Unternehmen essenziell. Klimagas ist kein Instrument der direkten Dekarbonisierung, sondern ein Werkzeug des Emissionsmanagements für unvermeidbare Rest-Emissionen.
Regulatorischer Rahmen für die Nutzung von Klimagas
Als Werkzeug des Emissionsmanagements für unvermeidbare Rest-Emissionen wird Klimagas auch von entscheidenden Institutionen und Standards – wie den europäischen Berichtsstandards (CSRD/ESRS), ESG-Ratingagenturen sowie im Rahmen der EU-Taxonomie – als legitimes Übergangsinstrument akzeptiert.
Dass kompensiertes Erdgas als Brückentechnologie anerkannt ist, spiegelt sich in entsprechend in der aktuellen Gesetzgebung wider. Dabei müssen Unternehmen jedoch zwischen der Klassifizierung (Was ist nachhaltig?) und der Kommunikation (Wie werbe ich damit?) unterscheiden:
| Akteur / Regulatorik | Fokus der Regulierung | Rolle von Klimagas / Kompensiertem Erdgas |
|---|---|---|
| CSRD / ESRS | Berichtspflicht | Akzeptiert Kompensationen als Teil der Net-Zero-Strategie, sofern sie separat ausgewiesen und nicht mit physischen Reduktionen (Scope 1) vermengt werden. |
| EU-Taxonomie | Klassifizierung | Definiert die Kriterien für Übergangstechnologien. Klimagas hilft dabei, die Emissionsintensität des Energiebezugs bilanziell zu steuern, während die physische Transformation geplant wird. |
| Green Claims Directive | Kommunikation | Setzt die Spielregeln für Werbeaussagen. Sie fordert absolute Transparenz: Wer von „Klimaneutralität“ spricht, muss die Kompensation sowie die Qualität der Zertifikate (z. B. Gold Standard) explizit offenlegen. |
| Finanzsektor / Banken | Risikomanagement | Wertet den Einsatz von Klimagas als proaktives Handeln für Bestandsimmobilien, die aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen noch nicht dekarbonisiert werden konnten. |
Landesrechtliche Vorgaben
Neben den grundsätzlichen regulatorischen Rahmenbedingungen spielen in einigen Bundesländern zunehmend auch lokale Vorgaben eine entscheidende Rolle.
Denn mehrere Bundesländer haben bereits eigene Gesetze erlassen, die beim Heizungstausch im Gebäudebestand bereits feste Quoten für erneuerbare Energien vorschreiben. Prominente Beispiele sind das EWKG in Schleswig-Holstein § 16 oder das Hamburgische Klimaschutzgesetz § 17. Sie fordern u.a. bei der Sanierung von Bestandsanlagen, dass mindestens 15 % des jährlichen Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden – eine Vorgabe, die sich in der Praxis häufig am schnellsten und wirtschaftlichsten durch den Bezug von Gas mit physischem Biomethan-Anteil erfüllen lässt.
Die Perspektive für Multi-Site-Unternehmen: Skalierbare Compliance
Für Unternehmen mit vielen Standorten ermöglicht es ein zentrales Management von kompensiertem Erdgas, ein heterogenes Immobilienportfolio (vom sanierten Neubau bis zum Altbau-Mietobjekt) auf ein einheitliches bilanzielles Nachhaltigkeitsniveau zu heben.
Zudem gewinnen Sie Zeit für die technische Umrüstung, ohne in der Zwischenzeit Ihre ESG-Ziele zu verfehlen.
Immer mehr Gewerbekunden stehen unter Druck, ihre Emissionen nachzuweisen und zu reduzieren – Klimagas ist ein sofort wirksamer Hebel, um regulatorische Anforderungen und Kundenanforderungen zugleich zu erfüllen.
Holger Krämer, Head of Customer Services, Expert Systems & Data
Fazit: Klimagas als strategische Option in der Wärmewende
Klimagas kann eine wertvolle strategische Option für Unternehmen auf dem Weg zur Dekarbonisierung sein. In einer Zeit, in der der regulatorische Druck durch CSRD und EU-Taxonomie stetig wächst, kann diese Lösung Unternehmen die notwendige zeitliche und finanzielle Flexibilität bieten.
Über EHA
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